Vortragende beim Fachkongress

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Fachkongress mit agrarpolitischer Komponente

Innsbruck avanciert dieser Tage zum Zentrum der europäischen Nutztierwissenschaften. Beim Tierhaltungskongress der EAAP richtete Minister Totschnig klare Worte an die EU-Kommission.

Es ist eigentlich kein Veranstaltungsformat, wo man sich politische Botschaften erwarten würde. Diese Woche tagt in Innsbruck der Europäische Verband der Nutztierwissenschaften (EAAP). Gut 1.500 internationale Fachleute aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Wirtschaft versammeln sich zum Branchentreff. Satte 1.200 wissenschaftliche Beiträge stehen unter dem Motto „Zukunftssichere Nutztierhaltung auf dem Programm“. Österreich ist mit der Tiroler Landeshauptstadt erstmals seit 28 Jahren wieder als Austragungsort auserwählt worden. Gastgeberinnen sind die Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) und das Landwirtschaftsministerium.

Damoklesschwert EU-Agrarbudget

„Es ist eine große Ehre, dass der wichtigste europäische Tierhaltungskongress wieder in Österreich stattfindet. Österreich zeigt dabei, wofür unsere Landwirtschaft steht: standortangepasste Landwirtschaft, höchste Standards im Tierwohl, gelebte Kreislaufwirtschaft und Innovation“, war Agrarminister Norbert Totschnig bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung voll des Lobes. In seinem Heimatbundesland ließ es sich der Minister dennoch nicht nehmen, die jüngsten politischen Ereignisse in Brüssel zu kommentieren. Wie schon zum Sommeranfang übte er deutliche Kritik an der geplanten Ausgestaltung des EU-Landwirtschaftsbudgets 2028 bis 2034. Der von der EU-Kommission vorgelegte Vorschlag sieht Totschnigs Ausführungen zufolge etwa „kein eigenes Budget für ländliche Entwicklung“ vor, was den „österreichischen Weg der Regionalentwicklung“ grundsätzlich infrage stelle und die heimische „multifunktionale Landwirtschaft“ in ihrer Existenz gefährde, so Totschnig.

Allianzen sollen es richten

Um die „Qualitätsproduktion in der Landwirtschaft“ zu gewährleisten und den „österreichischen Weg der Nachhaltigkeit“ fortzuführen, müsse die EU demnach ausreichende und passende Mittel zur Verfügung stellen, betonte der Agrarminister. Noch habe man aber glücklicherweise zwei Jahre Zeit, um „Allianzen zu schmieden“, fuhr Totschnig fort. Es gehe um nichts weniger als die „ländliche Entwicklung“ in der bisher bekannten Form zu erhalten, verdeutlichte er die Dringlichkeit von Änderungen, die im kommenden EU-Budget vorgenommen werden müssten.

Über den Kurswechsel der EU zeigte er sich vor den Journalisten verwundert: „Bisher war oft von Klimafreundlichkeit und Ökologie die Rede.“ All das seien Werte, die in Österreich hochgehalten würden. Schließlich sei die hiesige Lebensmittelproduktion in Europa „eine der klimafreundlichsten überhaupt“, wird er vom Pressedienst AIZ zitiert.

Stärken des Sektors nach außen tragen

Unterstützung in der Argumentation erhielt der Ressortchef von VetMed-Uni-Rektor Matthias Gauly, der ebenfalls am Podium Platz genommen hatte: „Die Umweltstandards in der Landwirtschaft sind sehr hoch.“ Es gelte nunmehr, diese „Stärken der Landwirtschaft“ noch klarer zu kommunizieren und mit universitärer Grundlagenforschung zu untermauern. Ähnliche Töne schlug auch NTÖ-Obmann und Co-Gastgeber Markus Lukas an.

Wertschätzung führt immer auch dazu, dass die Bereitschaft besteht, faire Preise zu bezahlen.

Markus Lukas

Es sei dieser Tage dringend notwendig, „Forschung in die Praxis zu bringen“ und dadurch „Verständnis und Wertschätzung“ für den Sektor zu generieren. „Wertschätzung führt immer auch dazu, dass die Bereitschaft besteht, faire Preise zu bezahlen“, ist Lukas überzeugt. Dem schloss sich auch Sonja Wildauer, Bäuerin im Tiroler Zillertal, an: „Es geht um Perspektiven für die Bäuerinnen und Bauern sowie um eine weitere Erhöhung der gesellschaftlichen Wertschätzung.“ Um diese und andere Themen auf den Boden zu bringen, haben die Brancheninsider in Innsbruck immerhin fünf Tage Zeit.

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