Trotz nur noch einer aktiven Zuckerfabrik, nämlich jener in Tulln, ging die Rübenkampagne 2025 bereits am 1. Februar nach 150 Verarbeitungstagen zu Ende. Der Dachverband der Rübenbauern zeigt sich mit den Ergebnissen zufrieden.
Auf einer endgültigen Erntefläche von 25.017 Hektar wurden demnach 1,982 Mio. Tonnen Zuckerrüben geerntet. Im Mittel wurden demnach 79,2 Tonnen Rüben pro Hektar gerodet. Deren durchschnittliche Zuckergehalt bei der Übernahme betrug 17,33 Prozent, fast zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Auch der bereinigte Zuckergehalt konnte sich mit 15,24 Prozent sehen lassen. Die Rübenbauern sprechen von einem „im Vergleich der letzten Jahre sehr guten Wert, der die gute Qualität der Zuckerrüben bestätigt“. Konkret stieg der Weißzuckerertrag pro Hektar um 1,9 Tonnen.
Zuckerpreise um 200 Euro zu niedrig
Nach den Turbulenzen vor gut einem Jahr könnte man also von einer gelungenen Kampagne sprechen, wäre da nicht der wenig zufriedenstellende Weltmarktpreis. Laut Österreichischem Bauernbund liegt der Zuckerpreis derzeit bei rund 550 Euro pro Tonne. Nachsatz: „Ein fairer Preis läge bei rund 750 Euro.“
Zuckerfabriken straucheln
Diese Schere in den erzielbaren Preisen hinterlässt bereits Spuren. So hat etwa die Südzucker AG im deutschen Mannheim Mitte Februar bekannt gegeben, für das dieser Tage auslaufende Geschäftsjahr die Ausschüttung von Dividenden an Aktionäre zu streichen. Wegen außerordentlicher Abschreibungen und „dem generell schwierigen Marktumfeld“ rechnet man mit einer „erheblichen Ergebnisbelastung“.
Ähnliches gilt für den heimischen Zuckerkonzern Agrana. Dort wurde vergangene Woche bekannt gegeben, dass man im Segment Zucker mit einem „nicht zahlungswirksamen Wertminderungsbedarf“ rechnet. Das bedeutet, das Anlagevermögen der Agrana-Zuckerproduktion wird mit einer zusätzlichen Abschreibung von 45 bis 55 Mio. Euro belastet, verliert also an Wert. Immerhin, das operative Konzernergebnis wird dadurch nicht geschmälert, wiewohl sich Zucker im Agrana-Gesamtportfolio zuletzt immer mehr zum Sorgenkind entwickelte.
2026 nur mehr 22.000 Hektar
Bleibt die Frage, wie lange die – zum Teil auch den großen Lagerständen geschuldete – Tiefpreisphase beim Zucker anhält. Europaweit ist erneut von reduzierten Kontraktflächen die Rede.
Der Rüben- und Zuckersektor steht seit Jahren unter massivem Veränderungsdruck.
Georg Strasser
Laut Rübenbauern ergaben die im Dezember hierzulande durchgeführten Kontrahierungsversammlungen knapp 22.000 Hektar kontrahierte Fläche, also einen erneuten Rückgang.
Das rief diese Woche auch den Bauernbund auf den Plan. „Der Rüben- und Zuckersektor steht seit Jahren unter massivem Veränderungsdruck. Mit dem Wegfall der EU-Quotenregelung, sinkenden Marktpreisen und zunehmend schwierigen klimatischen Bedingungen hat sich die Lage zugespitzt“, teilte man am Montag mit. Die aktuelle Preisspirale zeige, wie wichtig planbare Rahmenbedingungen für die Betriebe seien. Bauernbund-Präsident Georg Strasser sieht hier auch den Lebensmitteleinzelhandel gefordert.
Aktionen unterbieten Wiener Zucker
Zucker werde im Handel zunehmend zur Aktionsware. Eigenmarken-Angebote von 99 Cent pro Kilogramm seien mittlerweile üblich. „Wenn Zucker zur Lockware wird, trifft das zuerst unsere Rübenbauern. Dann wird weniger angebaut, Standorte geraten ins Wanken und Österreich verliert Wertschöpfung. Wer heimische Qualität will, muss akzeptieren, dass Lebensmittel einen Wert haben und fair bezahlt werden“, betonte er.
Strasser untermauert seine Forderung auch mit Zahlen. Ein Kilogramm „Wiener Zucker“ – also Zucker aus der Fabrik in Tulln – koste derzeit meist zwischen 1,60 und 1,80 Euro, bei den Bauern kommen davon nur rund 25 Cent an.
Die Betriebe können diese Lücke nicht dauerhaft schließen, wenn der Preis im Regal gedrückt wird.
Georg Strasser
„Die Betriebe können diese Lücke nicht dauerhaft schließen, wenn der Preis im Regal nach unten gedrückt wird“, ist er überzeugt und appelliert an Handelsketten und Verbraucher: „Wer beim Zucker nur auf den billigsten Preis schaut, bekommt oft Ware aus dem Ausland und verzichtet auf transparente Herkunft. Wir erwarten uns ein klares Bekenntnis zu österreichischer Qualität im Regal und ein Ende des Dauer-Aktionsmodus bei Grundprodukten.“
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