Alljährlich versammelt sich in Nürnberg (D) die Bio-Branche auf der „Biofach“, der weltgrößten Leitmesse für Bio-Lebensmittel. Österreichs Bio-Szene ist dort stets durch die AMA-Marketing vertreten. Diese nutzt – gemeinsam mit dem größten Bio-Verband im Land, der Bio Austria – auch stets die Bühne, um die Öko-Absatzzahlen im heimischen Lebensmitteleinzelhandel vor Journalisten zu präsentieren. Vergangene Woche war es wieder soweit. Mit heuer durchaus erfreulichen Ergebnissen.
Bio-Mehl als Kassenschlager
Laut rollierender Agrarmarktanalyse (RollAMA) wurde 2025 ein Allzeitrekord aufgestellt. Rund 360 Euro gaben Haushalte im Mittel für Bio-Produkte aus. Das sind immerhin 12 Prozent der Gesamtausgaben für Lebensmittel des RollAMA-Warenkorbs. Damit landeten im Vorjahr 2,3 Prozent mehr Bio-Lebensmittel im Einkaufswagen als ein Jahr zuvor. In den meisten Warengruppen seien Zuwächse zu verzeichnen, teilte die AMA-Marketing mit.
Copyright © AMA-Marketing
AMA-Marketing-Chefin Mutenthaler-Sipek und Bio-Austria-Obfrau Riegler sehen Bio "in der Mitte der Gesellschaft angekommen".
Besonders deutlich fallen diese bei Mehl aus. Der wertmäßige Anteil stieg hier auf satte 30 Prozent. Bei Fleisch überschritt der wertmäßige Bio-Anteil erstmals 8 Prozent. Bei Rind-, Kalb- und Hühnerfleisch wurde öfter zum Bio-Angebot gegriffen. „Die Zahlen zeigen sehr klar, dass Bio heute eine selbstverständliche Wahl ist. Besonders dann, wenn Herkunft, Qualität und Vertrauen zusammenkommen“, so Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.
Jetzt braucht es wieder neue Impulse fĂĽr Wachstum.
Barbara Riegler
Obfrau Bio Austria
Bio-Austria-Obfrau Barbara Riegler sieht in diesen Absatzzahlen neue Chancen für die heimischen Bio-Bauern. Dazu bräuchte es aber entsprechende Rahmenbedingungen. Riegler: „Nach herausfordernden Jahren ist es gelungen, die große Mehrheit der Bio-Betriebe zu halten. Diese Stabilisierung ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Jetzt braucht es wieder neue Impulse für Wachstum.“ Den im Wachsen begriffenen Markt gelte es auch zu bedienen, die Produktion müsse entsprechend mitwachsen, so die Verbandsobfrau sinngemäß.
Förderung gefordert
Den größten Hebel sieht Bio Austria in einer erneuten Öffnung der Bio-Maßnahme im ÖPUL für Umsteller. Bekanntlich gilt für Neueinstiege in ÖPUL-Maßnahmen immer eine Frist. In der laufenden GAP-Periode ist diese mit Jahresende 2024 verstrichen. „Betriebe, die jetzt auf Bio umstellen wollen, stehen vor verschlossenen Türen, und ihre Leistungen werden nicht angemessen honoriert“, ist Riegler überzeugt. Gerade jetzt brauche es aber „Einstiege und Umstiege“ und diese müssten „politisch ermöglicht“ werden.
Bisherige Zahlungen „dringend notwendig“
Tatsächlich kam das Landwirtschaftsministerium der Bio-Szene – wohl auch wegen des erklärten Ziels von 35 Prozent Bio-Landwirtschaft bis 2030 – schon mehrfach entgegen. So profitierten auch die Öko-Landwirte ab 2024 vollumfänglich von der Prämienanpassung um 8 Prozent aus dem Impulsprogramm für die Landwirtschaft. Im vergangenen Jahr wurde dann mit inhaltlichen Programmänderungen nochmals nachgebessert. So wurde 2025 erstmals ein Zuschlag für Bio-Transaktionskosten in Höhe von 400 Euro pro Betrieb ausbezahlt. Neu war auch der Zuschlag für Kreislaufwirtschaft, immerhin 40 Euro pro Hektar. Beides wurde von der AMA automatisiert ausbezahlt, sofern die Anforderungen der teilnehmenden Betriebe erfüllt wurden.
Copyright © AMA-Marketing
Die AMA Marketing wartete auf der Biofach mit einem gänzlich neuen Standkonzept auf.
Barbara Riegler nennt das auf Nachfrage der BauernZeitung „dringend notwendige Signale“, immerhin habe man seit 2023 auch Biodiversitätsflächen anzulegen. Allein durch diese Korrekturen sei es gelungen, „unter schwierigen Bedingungen die hohe Anzahl an Bio-Betrieben zu halten”. Im Hinblick auf die nun gestellte Forderung ergänzt sie: „Die Biologische Wirtschaftsweise muss für Neueinsteiger und Bestandsbetriebe gleichermaßen wirtschaftlich attraktiv sein.“ Die kürzlich auf EU-Ebene beschlossenen Erleichterungen betreffend GLÖZ-Standards würden dazu ebenfalls beitragen.
Gespräche laufen
Ob der in nahezu allen Sparten sinkenden konventionellen Erzeugerpreise möchte man meinen, dass diese Attraktivität auch durch die festen Bio-Zuschläge gegeben sei. Aus Sicht des Bio-Verbands reicht dieser Anreiz aber nicht aus. Es brauche eben „stabile Rahmenbedingungen und die realistische Perspektive, wirtschaftlich tragfähig arbeiten zu können“. Dass dies zu den gegenwärtigen Bio-Marktpreisen nicht möglich sei, habe mit dem fehlenden „True Cost Accounting“ zu tun.
Dabei handelt es sich um eine Form der Kostenrechnung, welche soziale und ökologische Folgekosten im Produktpreis berücksichtigt. Riegler dazu: „ÖPUL-Prämien sind kein Zusatzbonus, sondern eine Honorierung von Umweltleistungen, die der Markt alleine nicht ausreichend vergütet.“ Schon in Nürnberg wurde mitgeteilt, dass bereits Gespräche mit dem Ministerium laufen. Eine erneute Öffnung der Maßnahme wäre ein Novum in der Geschichte des Österreichischen Agrarumweltprogramms. Es bleibt also spannend.
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))