Nach wirtschaftlich einigermaßen guten Jahren gestaltet sich die Situation auf den Milchmärkten zunehmend turbulent. Die Erzeugermilchpreise fallen, ebenso die Börsennotierungen. Das ruft zunehmend auch die Agrarpolitik in Brüssel auf den Plan, vor allem aber in den EU-Mitgliedstaaten wird heftig über Lösungen debattiert. So fordert Italien bereits EU-Beihilfen zur Reduktion der Milchmenge ein, Ungarn plädiert für die Förderung privater Lagerhaltung von Milchprodukten.
Auch in Österreich wird der Milchpreis zum Polit-Thema. Beim Fachtag Grünland- und Viehwirtschaft der Wintertagung des Ökosozialen Forums an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein war das „weiße Gold“ eines der Brennpunktthemen. Aus Brüssel war Alexander Anton angereist. Der Generalsekretär des Europäische Milchindustrieverbandes (EDA) referierte zur Lage der Märkte und versuchte, daraus Chancen für die heimische Wertschöpfungskette Milch abzuleiten.
Situation andernorts noch dramatischer
Er kam in seinem Vortrag zu einem interessanten Schluss: „Tu felix Austria [Anm.: Du glückliches Österreich], das gilt für die Milchpreise, für Qualitäten und die Verbraucher, die im europäischen Vergleich viel österreichisch kaufen.“ Soll heißen: Im EU-Vergleich steht die österreichische Milchwirtschaft gar nicht so schlecht da. Tatsächlich liegt der hiesige Erzeugermilchpreis mit derzeit etwa 45 Cent nicht nur über den Börsenmilchwerten, sondern auch deutlich über den Bauernmilchpreisen in anderen Mitgliedstaaten. Etwa in Ungarn, wo laut Angaben des dortigen Landwirtschaftsministeriums derzeit nur 20 Cent pro Kilogramm Milch erlöst werden, nach 53 Cent im Jänner des Vorjahres.
Am Spotmarkt sind wir momentan unter 15 Cent. Da waren wir 2016 das letzte Mal.
Alexander Anton
Generalsekretär Europäischer Milchindustrieverband
Die Milchpreise werden immer volatiler“, erklärte der EDA-Chef und ergänzte: „Am Spotmarkt sind wir momentan unter 15 Cent. Da waren wir 2016 das letzte Mal.“ Die Situation stabilisiere sich zwar etwas, sofern die Milchmenge am Markt nicht reduziert wird, dürfte sich aber substanziell wenig ändern, so Anton sinngemäß.
„Gestaltbare“ Märkte
Dass bei den heimischen Milchbauern alles eitel Wonne ist, wollte indes Bauernbund-Präsident Georg Strasser so nicht stehen lassen. Er war ebenfalls als Referent angereist und stellte schon eingangs klar: „Dass der Abwärtstrend gebremst ist, heißt nicht, dass wir auf einem eigenen Planeten leben.“ Strasser hob die grundsätzlich positive Entwicklung der stetig gestiegenen Exporte heimischer Milchprodukte hervor. Dass es derzeit zu viel Milch gebe, sei den guten Futterträgen im Vorjahr und den attraktiven Kraftfutterpreisen geschuldet. Nun wäre Zeit zu handeln, betonte Strasser, denn: „Märkte sind gestaltbar.“
Der Bauernbündler wolle diese Forderung aber nicht als Aufruf zu „planwirtschaftlichen Instrumenten“ verstanden wissen, sondern rief zur Einhaltung eines seit Jahrzehnten bewährten „Pakts“ auf. Österreichs Bauern erfüllen mit der hohen Bio-Quote, der zahlreichen Teilnahme am ÖPUL und dem AMA-Gütesiegel höchste Standards, erklärte er. Der heimische Konsument, der diese Qualität auch fordert, müsse sie dann aber auch kaufen. Dieses Gefüge sei zuletzt aber zunehmend ins Wanken geraten.
Kampf den Aktionen und transparente Herkunft
Um die heimische Wertschöpfungskette Milch wieder auf stabile Beine zu bringen, formulierte Strasser drei Forderungen. Im Hinblick auf den Freihandel müssten gleiche Standards für alle gelten. Weiters solle der Konsument durch eine durchgehende Herkunftskennzeichnung bewusste Kaufentscheidungen treffen können. Durchsetzen will der Bauernvertreter das auf nationaler wie auf EU-Ebene, um „lückenlose Transparenz“ sicherzustellen.
Milch und Butter sind im Handel längst ein Werkzeug im Preiskampf.
Georg Strasser
Bauernbund-Präsident
Den wohl gewichtigsten Appell richtete er allerdings an den Lebensmitteleinzelhandel. „Milch und Butter sind im Handel längst ein Werkzeug im Preiskampf. Besonders über Eigenmarken wird versucht, über Aktionen Marktanteile zu gewinnen. Die Folge ist ein Dauer-Aktionsmodus, der Preis und Herkunft in den Hintergrund drängt und am Ende den Druck entlang der Kette an die Bäuerinnen und Bauern weitergibt.“
In jüngsten Rabattaktionen eines Diskonters, der Haltbarmilch um 0,85 Euro je Liter und Butter über Mengenrabatt um 99 Cent vertreibt, sieht sich der Bauernbündler bestätigt. Man fürchte, dass heimische Ware bei solchen Entwicklungen aus den Regalen verdrängt werde. Mit Folgen für die gesamte Branche im Land.
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