Das neue Jahr brachte für Europas Milchbauern bisher wenig Gutes. Sowohl bei den Erzeugerpreisen als auch bei den Börsenindizes zeigt die Kurve weiterhin nach unten.
An der Süddeutschen Butter- und Käsebörse Kempten etwa wurde im Dezember ein dramatischer Einbruch der Notierungen verzeichnet. Das zeigt ein Blick auf den vom Institut für Ernährungswirtschaft (ife) auf Basis der dortigen Kurse allmonatlich errechneten Kieler Rohstoffwert, der den Erlös aus der Milchverwertung abbildet. Dieser hat sich im vergangenen Jahr um 42 Prozent reduziert und kam im Dezember bei 30,8 Cent je Kilogramm Milch (ab Hof 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß) zu liegen.
Bevor die Menge europaund weltweit nicht abnimmt, hat der Erzeugerpreis keine Chance.
Leopold Gruber-Doberer
Immerhin, im Jänner fielen die Abschläge deutlich geringer aus. Das ife errechnete einen Rohstoffwert von 30,3 Cent. Der Grund liegt den dortigen Analysten zufolge auf der Hand: Mitte Jänner übernahmen die bundesdeutschen Molkereien um 6,5 Prozent mehr Milch als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Entsprechend schleppend laufen die Geschäfte, allen voran mit Blockbutter.
Rekordtief in Verona
Auch in Italien herrscht derzeit alles andere als Milchmangel. In Verona notierte Tankmilch aus Österreich (frei Molkerei Norditalien) im Jänner mit durchschnittlich 27,15 Euro per 100 Liter und damit so tief wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Nach einer kurzzeitigen Kehrtwende zur Monatsmitte wurde heimische Milch in Italien am Montag wieder für allerhöchstens 28,5 Cent per Kilogramm (3,6 % Fett) gehandelt.
7,5 Prozent mehr Milch
Hierzulande stieg die Milchanlieferung im Dezember laut AMA ebenfalls. Konkret betrug die gesamte Lieferleistung 313.343 Tonnen, also um 7,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dem Trend folgend entwickelte sich der Erzeugerpreis ebenso rückläufig. Die AMA geht im Jänner von einem österreichischen Durchschnittspreis von rund 52,6 Cent je Kilogramm aus, da alle namhaften Molkereien ihre Auszahlungspreise im Mittel um 3,6 Prozent reduzierten.
Auch im Februar folgten Senkungen. Eine Molkerei sei mittlerweile bei 42 Cent angelangt, berichten Insider. Laut Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN), dürfte das Bundesmittel derzeit etwa 46 Cent betragen. Die ersten Entspannungssignale an den Börsen wertet er grundsätzlich positiv, merkt allerdings an: „Bevor die Menge europa- und weltweit nicht abimmt, hat der Erzeugerpreis keine Chance.“
Die Menge macht es
Das sieht auch Georg Lehner so. „Die Milchauszahlungspreise werden weiter nach unten gehen“, so die wenig optimistische Prognose des Rohstoff-Chefs der Berglandmilch. Und zwar solange, bis die Mengen nicht abgebaut seien. „Große niederländische und norddeutsche Molkereien stoßen Milch derzeit für 22 Cent ab“, versucht Lehner die Dramatik der Situation einzuordnen. Sie hätten schlicht die Verarbeitungskapazität nicht mehr.
Große norddeutsche und niederländische Molkereien stoßen Milch für 22 Cent ab.
Georg Lehner
Für die heimischen Molkereien seien solche Schritte noch kein Thema meint indes Gruber-Doberer, der die von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche Verwertung betont. Sein Fazit fällt dennoch stoisch aus: „Es gibt einen Markt und der ist voll.“
Bleibt abzuwarten, wie verspätete Trockenstehzeiten in deutschen Milchviehbeständen und eine mögliche Blauzungenwelle im Sommer die Milchmenge in Europa beeinflussen.
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