Ölkürbispflanze

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Ölkürbissorten für alle Fälle

Gleich vier Neuzüchtungen konnten im Dezember zugelassen werden. Wofür sich neue und bekannte Sorten am besten eignen, lesen Sie hier.

In Österreich ist die Ölkürbisanbaufläche zuletzt im Vergleich zu 2024 um sieben Prozent auf 35.408 Hektar gestiegen. Insgesamt konnten 2025 26.887 Tonnen Kürbiskerne geerntet werden, das entspricht laut Statistik Austria einem Plus von 18 Prozent. Das Ertragsniveau von 7,6 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) lag im überdurchschnittlichen Bereich. Die Erträge fielen in Niederösterreich, dem flächenstärksten Bundesland, mit 7,6 dt/ha etwas höher aus als in der Steiermark (7,2 dt/ha). In Oberösterreich konnten im Durchschnitt 8,5 dt/ha geerntet werden. Die Kernerträge lagen über dem Durchschnitt, die Qualität der Kerne war jedoch durch den hohen Anteil an weißen Kernen vielerorts nicht zufriedenstellend. Aufgrund der wärmeren Temperaturen und Sorten mit früherer Abreife zeigen sich auch Flächenzuwächse in kühleren Regionen, wie dem Waldviertel und Teilen Oberösterreichs.

Die Anbaubedingungen im Frühjahr 2025 waren aufgrund der kühlen Witterung herausfordernd. Für eine erfolgreiche Keimung benötigt der Ölkürbis eine Bodentemperatur von mindestens zehn bis zwölf Grad Celsius. Zum Hauptanbauzeitpunkt Ende April bis Anfang Mai war es zu kalt und es kam zu verzögertem Auflaufen der Pflanzen.

Die Jugendentwicklung verlief je nach Standort sehr unterschiedlich. In vielen Gebieten regnete es in ausreichendem Maß, in manchen Regionen der Steiermark waren die Bestände jedoch von ungewöhnlichem Trockenstress betroffen. Standorte mit schweren Böden, die das Wasser besser speichern können, spielten gegenüber sandigen Böden zu diesem Zeitpunkt den Vorteil aus. Sehr frühe Sorten und Ranktypen, die weniger Blattmasse bilden, wurden durch die Trockenheit gebremst und blieben heuer ertraglich unter den Erwartungen.

Der regenreiche Juli förderte das Wachstum der Ölkürbispflanzen, besonders Sorten mit üppiger Blattmasse konnten das Wasser noch gut nutzen. Die feuchten Bedingungen führten zu vermehrtem Krankheitsbefall. In einigen Gebieten kam es zu Pilzinfektionen der Früchte mit Fusarium und Didymella, die sich durch kleine Löcher in der Schale zeigten. Auf diesen Flächen kam es vermehrt zu Fäulnis und einer vorzeitigen Ernte mit Ertragsverlusten und Qualitätseinbußen.

Neuzulassungen

Im Dezember wurden vier Ölkürbissorten neu zugelassen. Mit GL Kaspar wurde ein Hybrid mit sehr früher Reife (Note 1), ähnlich der Sorte Beppo, registriert. GL Kaspar, mit langen Ausläufern, zeigt eine mittlere bis rasche Jugendentwicklung, geringe Virussymptome und eine starke Anfälligkeit gegenüber Mehltau. Der Anteil an faulen Früchten ist gering bis mittel eingestuft. Der Ölgehalt der Sorte ist hoch und GL Kaspar verfügt über eine sehr gute Kornausbildung. Der Kernertrag ist mittel bei sehr früher Abreife. GL Kaspar bietet den Vorteil einer zeitigeren Ernte und ist aufgrund seiner kürzeren Vegetationszeit auch für einen Nachbau bei Frostschäden interessant.

Ähnlich dieser Sorte, nur etwas später in der Abreife (Reifenote 2), ist der lange Ausläufer bildende GL Balthasar. Der Hybrid blüht und reift sehr früh bis früh und zeigt geringe Virussymptome und eine starke Mehltauanfälligkeit. Der Kornertrag ist mittel bis hoch bei hohem Ölgehalt. Die sehr großkernige Sorte verfügt über einen mittleren Fruchtansatz, bei einem geringen Anteil an faulen Früchten.

GL Melchior, ein ebenfalls sehr früh bis früh abreifender und blühender Hybrid (Note 2) mit langen Ausläufern, zeigt eine mittelrasche Jugendentwicklung und geringe Virussymptome. Der Kornertrag ist mittel bis hoch, der Ölgehalt hoch. GL Melchior kombiniert einen mittleren Fruchtansatz mit einer guten Fäulnistoleranz. Mit GL Diego wurde eine weitere Backsaatensorte zugelassen. Der Hybrid bildet kurze Ausläufer, zeigt eine mittlere Jugendentwicklung und Blüte sowie eine mittelspäte Abreife (Reife­note 6). Die Anfälligkeit für ­Virosen ist mittelstark ausgeprägt. GL Diego weist einen sehr hohen Fruchtansatz bei einem sehr geringen bis geringen Anteil an faulen Früchten auf. Der Ölgehalt ist sehr hoch bei einem sehr hohen bis hohen Korn­ertrag. Aufgrund der sehr kleinen bis kleinen Kerne ist die Sorte besonders gut zur Herstellung von Backwaren geeignet.

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Sehr frühe und frühe Sorten

Vom frühreifenden Hybrid Beppo, bereits 2010 zugelassen, gibt es keine mehrjährigen Ergebnisse mehr. Beppo wird noch vermarktet und bietet aufgrund seiner frühen Reife die Möglichkeit, Arbeitsspitzen bei der Kürbisernte zu entzerren. Die Sorte sollte im Hinblick auf die Fruchtfäuleanfälligkeit möglichst rasch nach der Abreife geerntet werden. Pablo, eine österreichische Züchtung, ist ein Rankentyp, der lange Ausläufer bildet, zeigt eine mittlere bis rasche Jugendentwicklung und blüht früh. Pablo ist in der Abreife sehr früh bis früh (Note 2). Der Hybrid verfügt über einen mittleren Fruchtansatz und eine mittlere Fruchtfäuleanfälligkeit. Ölgehalt und Tausendkornmasse sind mittel bis hoch ausgeprägt. Im Kornertrag liegt die Sorte etwas unter den später abreifenden Sorten. Pablo ist aufgrund seiner frühen Reife interessant, um das Erntefenster nach vorne auszuweiten.

GL Josef zählt zu den früheren Sorten (Reifenote 3) und ist ein langtriebiger Rankentyp mit mittlerer bis rascher Jugendentwicklung und früher Blüte. GL Josef vereint einen hohen Fruchtansatz mit einem geringen Anteil an kleinen Früchten. Die Sorte brachte in den AGES-Versuchen in den letzten Jahren überdurchschnittliche Erträge und zeigt trotz früherer Reife eine geringe bis mittlere Fäulnisanfälligkeit.

Sorten mit früher bis mittlerer Reife

GL Leopold zeigt eine frühe bis mittlere Abreife (Note 4) mit einer geringen Fäulnisanfälligkeit. Die Sorte bildet kurze Ausläufer, ist raschwüchsig und blüht früh. Die Anfälligkeit für Virosen, Mehltau und für krankheitsbedingte Blattwelke ist mittel ausgeprägt. GL Leopold zeigte hohe Korn- und Ölerträge. Der Hybrid verfügt über einen hohen Fruchtansatz und weist eine gute Kernausbildung auf.

GL Atomic (Zulassung 2018) punktet mit vielen kleineren Früchten, einem hohen Ölgehalt und stabilen Erträgen. Um sein hohes Ertragspotenzial voll ausschöpfen zu können, benötigt GL Atomic gute Böden.

GL Albert ist ein raschwüchsiger Hybrid mit kurzen Ausläufern, blüht früh und ist in der Abreife GL Rustikal (Note 5) ähnlich. Die Sorte zeigt ein sehr hohes Ertragspotenzial, einen hohen bis sehr hohen Ölgehalt und liegt auch im Ölertrag im Spitzenfeld. GL Albert hat einen mittleren Fruchtansatz und bildet sehr große Kerne aus.

GL Lukas, 2024 zugelassen, ist sehr großkernig mit hohem bis sehr hohem Ölgehalt. Der Hybrid blüht früh und zeigt mit Reifenote 5 eine mittlere Abreife. Die Sorte bildet kurze Ausläufer, hat einen mittleren Fruchtansatz und einen hohen Kernertrag. Dieser kann durch mittlere bis starke Virussymptome und starke Mehltauanfälligkeit beeinträchtigt werden.

Die bewährte, bereits langjährig registrierte Sorte GL Rustikal (Zulassung 2010) kann ertraglich mit den neueren Sorten in diesem Reifebereich nicht mehr mithalten. Die Sorte zeichnet eine gute Fäulnisresistenz und konstant solide Kernerträge aus.

Mittlere bis späte Sorten

Die Ölkürbissorte GL Rudolf konnte sich aufgrund seiner stabil hohen Erträge der letzten Jahre in der Praxis etablieren. GL Rudolf brachte in den AGES-Versuchen auch heuer wieder sehr gute Leistungen. Die Sorte reift mittelspät (Note 6) und zeigt eine gute Fäulnisresistenz. Die Jugendentwicklung verläuft rasch, GL Rudolf blüht früh und bildet kurze Ausläufer.

Die freiabblühende Sorte GL Ruprecht ist für den Bioanbau interessant. Sie bildet als Rankentyp lange Ausläufer, zeigt eine mittlere Jugendentwicklung und Blütezeit und reift spät ab. Die gesunde Sorte mit einem geringen Anteil an faulen Früchten zeigte auch Vorteile im Ölgehalt. Die Hybridsorten werden ertraglich nicht erreicht. GL Ruprecht verfügt über eine sehr gute Kernausbildung.

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Das Backsaatensortiment

2023 wurden die ersten drei Ölkürbissorten mit zusätzlicher Eignung für Backwaren zugelassen. Die registrierten Sorten sind etwas später reifend (ähnlich GL Rudolf mit Note 6) und ihre Besonderheit sind die kleinen bis sehr kleinen Kerne APS 2 bis APS 4. Zu diesen Sorten zählt GL Franz, eine Sorte mit hohem Ertrag und sehr geringer Fruchtfäuleanfälligkeit. Die Anfälligkeit gegenüber Virosen ist bei dieser Sorte etwas höher als bei den übrigen Sorten. GL Frodo zeigte eine ebenso gute Fruchtfäuletoleranz. Die 2024 zugelassene Sorte GL Napoleon zeigte in den AGES-Backsaatenversuchen ein sehr hohes Ertragspotenzial und übertraf alle übrigen Sorten im Kern- und Ölertrag bei einer mittleren bis späten Abreife und sehr hohem Ölgehalt. Der Fruchtansatz ist sehr hoch bei einem geringen Anteil an faulen Früchten und einer mittleren bis starken Virusanfälligkeit.