Traktor auf dem Feld

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Neue und bewährte Sorten für den Körnermaisanbau

Welche Sorten sich im Vorjahr überdurchschnittlich gute Erträge lieferten, was von den Neuvorstellungen der Züchter zu halten ist und welche Erkenntnisse sich aus der offiziellen Sortenwertprüfung sonst noch ableiten lassen, lesen Sie hier.

Das Maisjahr 2025 war geprägt von deutlichen Standortunterschieden. Besonders Oberösterreich und das nördliche Alpenvorland erzielten überdurchschnittliche bis rekordverdächtige Erträge, während Kärnten, Teile der Steiermark und südliche Randgebiete des Burgenlandes durch starke Trockenheit klar unterdurchschnittliche Ergebnisse verzeichneten.

Auf gestressten Standorten nahmen Infektionen mit Stängelfusarium deutlich zu, wodurch das Risiko für Stängelbruch anstieg. Der Mai zeigte sich kühl und verzögerte die Bestandesentwicklung, wodurch der Befall durch Drahtwürmer und Erdraupen begünstigt wurde. Sorten mit rascher Jugendentwicklung waren hier im Vorteil. Der Juni war heiß und trocken. Ertragsentscheidend wurde die Niederschlagsverteilung während der Blüte. Regionen in Oberösterreich und Niederösterreich wurden in dieser Phase gut versorgt, während Kärnten und Teile der Steiermark die Niederschläge zu spät erhielten, was deutliche Ertragseinbußen verursachte.

Ein wesentliches Thema war im Vorjahr die Mykotoxinbelastung. Feuchte Witterungsabschnitte insbesondere zur Abreife förderten Fusariuminfektionen, wodurch vielerorts erhöhte DON-Werte (Deoxynivalenol) und punktuell in der Südoststeiermark auch hohe Fumonisingehalte gemessen wurden. Aflatoxin blieb unauffällig, könnte mit fortschreitendem Klimawandel jedoch in heißen und trockenen Jahren zunehmend Probleme verursachen. Erneut zeigten sich deutliche Sortenunterschiede im Auftreten von Kolbenfäule, weshalb die Anfälligkeit einzelner Hybriden ein wichtiges Kriterium der Sortenwahl im Frühjahr bleibt. Ab Anfang September lohnt sich zudem ein Blick in das Mykotoxin‑Monitoring, das von den Landwirtschaftskammern in Kooperation mit der AGES durchgeführt wird und online eingesehen werden kann.

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Der mehrjährige Vergleich macht sicher

2025 war im Körnermais ein herausragendes Jahr. Für die heurige Saison empfehlen Experten daher, nicht nur die Vorjahresergebnisse, sondern eine längere Zeitreihe zu betrachten. Generell gilt bei der Sortenwahl, dass eine standortangepasste Mischung aus früh- und spätreifen Sorten witterungsbedingte Risiken reduziert. Entscheidend sind eine passende Reifezahl sowie sortenspezifische Merkmale wie zügige Jugendentwicklung, Standfestigkeit, Mykotoxinanfälligkeit und der Korntyp (Zahn- oder Hartmais). Spätreife Sorten können nur bei ausreichender Wärmesumme höhere Erträge erzielen.

Sorten der frühen Reifegruppe (200-270)

Unter den Neuzulassungen befindet sich mit KWS Aveso (220) eine ertragsstarke, sehr frühe Sorte. Der Hartmais/Zahnmais-Mischtyp verfügt über eine rasche bis sehr rasche Jugendentwicklung und erreicht dabei einen hohen Wuchs. Ebenfalls neu im Sortiment sind Starfall (230) und Sagsi (240). Beide Zahnmaise lieferten überdurchschnittliche Erträge, wobei Sagsi zusätzlich durch kompakten Wuchs und sehr gute Standfestigkeit auffiel.

Im Reifesegment 240 bis 250 zeigten LID1033C (240), DKC3012 (250) und KWS Dukro (250) überzeugende Ergebnisse. LID1033C erreicht die Bestnote hinsichtlich geringer Fusariumanfälligkeit, während KWS Dukro mit verbesserter Stickstoffeffizienz und besserer Standfestigkeit gegenüber DKC3012 punktet. Cabalio (270) ist eine der spätesten Sorten in der frühen Reifegruppe mit deutlich überdurchschnittlichen Erträgen. Nachteilig ist eine etwas erhöhte Neigung zu Stängelbruch sowie eine mittlere bis hohe Anfälligkeit für Fusarium am Kolben.

Für Betriebe, die flexibel zwischen Silo- und Körnernutzung entscheiden möchten, bieten sich Activo (230) und Academo (230) an. Activo ist etwas früher siloreif, während Academo bei sehr hohem Wuchs eine geringere Stängelbruchneigung besitzt. Ebenfalls neu und 2025 mit sehr guten Siloleistungen bewertet, jedoch aufgrund der erst einjährigen Datenbasis noch nicht in den Grafiken enthalten, ist KWS Galao (270).

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Mittelfrüher Körnermais (270-320)

Im mittelfrühen Bereich überzeugt P83462 (270) durch rasche Jugendentwicklung und rasche Blattabreife.

Etwas später reift P85137 (290), eine Neuzulassung mit hohen Erträgen, sehr hohem Wuchs und beachtlicher Standfestigkeit.

Die neue Sorte DKC3752 (300) zeigt sich hinsichtlich Standfestigkeit nochmals stärker und verbindet mittleren Wuchs mit hohen Erträgen.

Oklahoma (320) ist als gering fusariumanfälliger Zahnmais ebenfalls eine ertragsstarke Option im mittelfrühen Segment.

Die ebenfalls neu zugelassene Sorte Adixia (300) als Hart-/Zahnmais-Mischtyp konnte im Kornertrag nicht alle Zahnmaise übertreffen, zeigte jedoch im Silobereich mit sehr rascher Jugendentwicklung, hohen Trockenmasseerträgen und insbesondere hoher Energiedichte hervorragende Ergebnisse. Auch diese Sorte scheint bislang aufgrund der einjährigen Datengrundlage noch nicht in den grafischen Darstellungen auf.

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Neues in der mittelspäten Gruppe (330-370)

Der Zahnmais Someday (330) zeichnet sich durch rasche Jugendentwicklung, hohen Wuchs und ausgezeichnete Standfestigkeit aus.

Auch DKC3856 (330) ist sehr standfest, wies jedoch 2025 an einigen Standorten DON-Gehalte von über 1.000 Mikrogramm pro Kilogramm auf und sollte daher bevorzugt in Trockengebieten eingesetzt werden.

Mit DKC4062 (350) und DKC4253 (350) kamen zwei ertragsstarke neue Hybriden mit sehr ähnlichen agronomischen Eigenschaften in die österreichische Sortenliste.

Weitere leistungsstarke Sorten in diesem Reifespektrum sind P9367 (350) und DKC4320 (360). Letztere zeigte insbesondere im Trockengebiet gute Erträge, ebenso wie die Sorte Arcadio (390).

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Späte Sorten mit Reifezahlen ab 370

Im späten Bereich wurde DKC4451 (370) als standfeste und ertragsstarke Sorte neu aufgenommen.

Als Ertragsüberflieger erwies sich P95287 (380), besonders stark im Trockengebiet.

Der neu zugelassene DKC4756 (400), ein Zahnmais mit Hartmaisanteil, verbindet hohe Erträge mit einer mittleren bis raschen Jugendentwicklung.

DKC4952 (410) bietet ebenfalls sehr hohe Erträge und eine ausgezeichnete Standfestigkeit, ebenso wie die vergleichbar leistungsstarken Sorten P9944 (430) und P00214 (420). P9944 sollte aufgrund seiner hohen Fusariumanfälligkeit nur im Trockengebiet angebaut werden, während P00214 zusätzlich als späte Silomaissorte sehr gut geeignet ist. Ein weiterer Neuzugang der Sortenliste ist RGT Pinxxfloyd (420), der neben sehr guter Standfestigkeit auch eine rasche Jugendentwicklung und eine gute Eignung für trockene Lagen zeigt.

INDEM1012 (430) liefert gute Erträge, sollte aufgrund der ausgeprägten Fusariumanfälligkeit jedoch ebenfalls nur im Trockengebiet eingesetzt werden. KWS Hypolito (440), bereits 2022 zugelassen, ist eine zuverlässige Sorte für das Trockengebiet mit geringer Fusariumanfälligkeit. Sehr spät reift DKC5148 (450), was bei ungünstiger Witterung zu höheren Kornfeuchten führen kann. In trockenen Regionen liefert die Sorte jedoch besonders zuverlässig hohe Erträge.

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Hinweise zu Grafiken und Tabellen

Die im Beitrag dargestellten Sortenkreuze und Ausprägungsstufen stellen eine Auswahl aus der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste dar. Die Grundlage für die Auswahl der Sorten bilden aktuelle Ergebnisse sowie Vermarktungsinformationen der Unternehmen. Das vollständige Sortiment, Körner- und Silomaisdiagramme sowie Informationen zu Mykotoxinergebnissen und zu weiteren relevanten Details sind auf der BAES-Internetseite zu finden. Um einen Vergleich zwischen den Sortenkreuzen der vier Reifegruppen zu ermöglichen, werden einige Sorten in jeweils zwei benachbarten Gruppen angebaut. Die Einstufung der neu zugelassenen Sorten in der Anfälligkeit für Kolbenfäule erfolgt zwecks der erforderlichen zweijährigen Datengrundlage erst im nächsten Jahr. Alle Daten sind hier abrufbar: bsl.baes.gv.at/kulturen/