Ein Blick in das „Statistische Jahrbuch 2025“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft in Bonn und in den „Situationsbericht 2025“ des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zeigt, dass die Welt-Milcherzeugung ansteigt und sich die Handelsströme für Molkereiprodukte verändern.
Die weltweite Milchmenge wird demnach für 2026 auf rund 1 Mrd. Tonnen geschätzt, das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Großteil des Anstiegs wird in den bevölkerungsreichsten Regionen in China und Indien erwartet. In der EU betrug die Milchproduktion 2025 rund 162 Mio. Tonnen und blieb stabil. Ihr Anteil an der Weltmilcherzeugung beträgt 16 Prozent und dürfte heuer leicht zunehmen. Die führenden Produktionsländer sind Deutschland, Frankreich, Polen und die Niederlande.
Der Welthandel mit Molkereiprodukten erreichte nach Analysen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) im Vorjahr etwa 87 Mio. Tonnen und war etwas niedriger als ein Jahr zuvor. Die Verschiebung der Warenströme ist auf die Länder Asiens zurückzuführen, auf die 56 Prozent der Importe entfallen. Die EU ist mit 28 Prozent der globalen Ausfuhren der weltweit bedeutendste Handelspartner. Die Einfuhren Chinas waren seit 2022 stark rückläufig. Ein Großteil der Milchproduktion, insbesondere in der EU, wird zu Käse verarbeitet. Die Preisentwicklung war infolge des hohen Verwertungsanteils insgesamt zufriedenstellend, regional aber unterschiedlich. Neuseeland ist bei Vollmilchpulver mit rund 1,3 Mio. Tonnen der größte Exporteur, bei Magermilchpulver ist es die EU mit 763.000 Tonnen, ebenso bei Käse mit 1,4 Mio. Tonnen, während Neuseeland auch bei Butter mit 512.000 Tonnen weltweit die führende Nation ist.
Milchriesen und Molkereizwerge
Mit fast 29 Mrd. Euro Umsatz liegt die französische Lactalis-Gruppe an der Spitze der größten Molkereiunternehmen der Welt, gefolgt vom Schweizer Nestle-Konzern mit 21,6 Mrd. Euro und den Dairy Farmers of America mit 20,8 Mrd. Euro. Das größte Molkereiunternehmen in der Bundesrepublik, DMK (Deutscher Milchkontor), nimmt mit einem Umsatz von 5 Mrd. Euro weltweit den 19. Platz ein und ist mehr als doppelt so groß wie Berglandmilch und NÖM zusammen.
Das wirtschaftliche Spannungsfeld zwischen Milchriesen und Molkereizwergen wird am Beispiel von DMK deutlich, das nur ein Sechstel des Umsatzes von Lactalis erzielt. Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter erreichten 2024 etwa 4 Mrd. Euro. Die deutsche Milchwirtschaft ist mit einem Umsatz von 37 Mrd. Euro die zweitgrößte Sparte der Ernährungsindustrie und auch ein bedeutender Partner der heimischen Molkereien.
Die österreichische Milchwirtschaft exportiert 44 Prozent der Produkte, wovon die Hälfte auf Deutschland entfällt, gefolgt von Italien. Die Milchwirtschaft hat mit einem Produktionswert von fast 2 Mrd. Euro eine große Bedeutung innerhalb der heimischen Landwirtschaft. Im Jahr 2024 haben 21.569 österreichische Betriebe etwa 3,6 Mio. Tonnen Milch geliefert. Der Strukturwandel schreitet fort und bereitet der Agrarpolitik erhebliche Sorgen. Im Jahr 2024 gaben 822 Betriebe die Milcherzeugung auf, davon 56 mit einer Anlieferung von über 100 Tonnen.
Vor dem EU-Beitritt 1994 gab es noch fast 82.000 milcherzeugende Betriebe, allerdings hat sich die durchschnittliche Anlieferung je Betrieb von 1994 mit 27 Tonnen auf 166 Tonnen 2024 erhöht, der durchschnittliche Kuhbestand nahm von zehn Stück auf 25 zu. Die Molkereien waren seit dem EU-Beitritt auch mit einem erheblichen Strukturwandel konfrontiert. Die Zahl der Unternehmen ging von 117 auf aktuell 69 zurück.
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