V. l.: Hannah Bruckner, Maximilian Weiss, Werner Falb-Meixner, Nikolaus Berlakovich, Christine Riepl und Martin Burjan

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Jahr der Entscheidungen für Burgenlands Landwirtschaft

Budgetkürzungen, Handelsabkommen, neue EU-Regeln und steigende Kosten setzen die Landwirtschaft unter Druck. Die LK Burgenland fordert klare Spielregeln.

Das Agrarjahr 2026 verspricht Spannung wie selten zuvor. Für die LK Burgenland steht fest: Es wird ein Jahr der Entscheidungen. Europäische Weichenstellungen, globale Handelsfragen und interne Reformen treffen auf eine Branche, die Planungssicherheit dringender braucht denn je.

Im Zentrum der Debatte steht die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Ab 2028 drohen massive Einschnitte. Während das EU-Budget wächst, soll das Agrarbudget um rund 20 Prozent gekürzt werden und in einem „Single Fund“ aufgehen. Für LK-Präsident Nikolaus Berlakovich ist das ein alarmierendes Signal: „Eine starke, eigenständige GAP mit ausreichendem Budget ist unverzichtbar für Versorgungssicherheit“, betont er. Die Diskussionen in Brüssel ließen jedoch befürchten, „dass agrarische Kernanliegen unter Druck geraten. Das werden wir nicht akzeptieren.“

Unsicherheit allerorten

Als Vizepräsident des europäischen Bauernverbandes Copa weiß Berlakovich um den Ernst der Lage. Gut 10.000 Landwirte demonstrierten im Dezember in Brüssel. Hintergrund sind nicht nur Budgetfragen, sondern auch steigende Betriebskosten. Düngerpreise machen mittlerweile bis zu 30 Prozent der Produktionskosten aus. Importzölle und der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) treiben die Preise weiter in die Höhe. „Neben aufrechten Importzöllen führt auch der neue CO2-Grenzausgleich zu einem massiven Kostenanstieg. Diesem müssen wir gezielt entgegenwirken“, fordert Berlakovich. Er spricht sich für eine temporäre Aussetzung des Mechanismus bei Düngemitteln aus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Eine starke, eigenständige GAP mit ausreichendem Budget ist unverzichtbar für Versorgungssicherheit.

Nikolaus Berlakovich

Zusätzliche Unsicherheit bringt das geplante EU-Mercosur-Abkommen. Solange Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards nicht verbindlich abgesichert sind, sieht die Kammer darin ein erhebliches Risiko für heimische Rinder- und Ackerbaubetriebe. Die Botschaft sei klar: Gleiche Standards für alle, auch bei Importen.

Auch die verschobene EU-Entwaldungsverordnung sorgt für Kritik. Betriebe sollen mittels Geodaten jährlich nachweisen, dass ihre Flächen nicht zur Entwaldung beitragen. „Die angekündigten Erleichterungen müssen echte Vereinfachungen bringen“, mahnt Berlakovich. Bürokratie dürfe nicht zum Wettbewerbsnachteil werden.

Aufbruch im Burgenland

Parallel dazu stellt sich die Kammer selbst neu auf. Mit dem internen Strategieprozess „Zukunftsdialog“ will man moderner, digitaler und serviceorientierter werden.

2026 ist zudem das Internationale Jahr der Bäuerin. Sichtbarkeit, soziale Absicherung und faire Rahmenbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft stehen daher auch hierzulande im Fokus. Auch die Landjugend Burgenland setzt auf Innovation, Ehrenamt und gesellschaftlichen Dialog.

Am Ende gehe es um mehr als Fördersummen oder Verordnungen. Es gehe um die Zukunft bäuerlicher Familienbetriebe, heißt es aus der LK. „Das Agrarjahr 2026 wird richtungsweisend“, ist der LK-Präsident überzeugt.