Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl zieht nun eine erste Bilanz – und spricht von einem wichtigen Erfolg: „Das Video ist sprichwörtlich durch die Decke gegangen. Besonders beeindruckend war, wie geschlossen unsere Bäuerinnen und Bauern dahintergestanden sind. Es wurde unzählige Male geteilt, weitergeleitet und diskutiert. Dieser Zusammenhalt hat den notwendigen Druck aufgebaut.“
Die deutliche Botschaft aus Tirol blieb nicht ohne Wirkung. Nach intensiven und – wie Raggl betont – „harten, aber konstruktiven Gesprächen mit Hechenberger“ hat Lidl eingelenkt. Die beworbene Schleuderaktion wird eingestellt. Darüber hinaus wird es in den kommenden Monaten keine deutsche Billigmilch und Butter mehr in den Tiroler Lidl-Regalen geben.
„Das ist ein wichtiger erster Schritt. Er zeigt, dass wir als bäuerliche Interessenvertretung ernst genommen werden, wenn wir geschlossen auftreten“, so Raggl.
Gleichzeitig mahnt er zur Wachsamkeit. Der Preiskampf im Kühlregal sei längst kein Einzelfall mehr. Bereits im ursprünglichen Statement wurde gewarnt: „Lebensmittel sind keine Ramschware – Schleuderpreise zerstören unsere Berglandwirtschaft“
Qualität, Regionalität, Nachhaltigkeit
Raggl unterstreicht: „Dumpingpreise gefährden unsere Selbstversorgung mit Lebensmitteln im Inland. Wenn Milch zur Lockware wird, geraten unsere heimischen Bauernfamilien massiv unter Druck. Wir können und wollen nicht mit industrieller Massenproduktion im Ausland konkurrieren – wir stehen für Qualität, Regionalität und nachhaltige Bewirtschaftung.“
Gerade im Berggebiet seien die Produktionsbedingungen herausfordernd, die Kosten hoch und die Wertschöpfung oft knapp kalkuliert. „Wer dauerhaft mit Billigimporten arbeitet, zwingt bäuerliche Familienbetriebe in die Knie. Das gefährdet nicht nur einzelne Höfe, sondern die Versorgungssicherheit und unsere Kulturlandschaft insgesamt“, warnt Raggl.
Der Bauernbund werde daher auch künftig genau hinschauen – nicht nur bei Lidl.
„Wir werden auch andere Handelsketten sehr genau beobachten. Und wenn nötig, werden wir weitere Schritte setzen. Vor klaren Worten und konsequentem Handeln schrecken wir nicht zurück.“
Die aktuelle Entwicklung zeige jedoch: Geschlossenheit wirkt. „Unsere Stärke ist der Zusammenhalt. Wenn wir gemeinsam auftreten, können wir etwas bewegen – für faire Preise und für die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe.“
Milch nicht verramschen
Die Aktion von Josef Hechenberger hat damit nicht nur ein politisches Signal gesetzt, sondern auch unter Praktikern Zustimmung gefunden. Georg Kapferer, Milchbauer und Ortsbauernobmann von Zirl, sieht in dem öffentlichen Auftritt vor der Filiale ein notwendiges Signal. „Es gehört klar gesagt, dass Schleuderpreise für Milch so nicht sein können“, betont er. Dass so rasch eine Reaktion erfolgt sei, habe ihn überrascht. Wenn die angekündigten Schritte tatsächlich eingehalten würden, sei das ein echter Erfolg.
Georg und Manuela Kapferer bewirtschaften ihren Aussiedlerhof mit rund 50 Milchkühen und 50 Stück Nachzucht. Milch und Joghurt werden direkt vermarktet. Gerade deshalb beobachtet er die Preisdebatte mit besonderer Aufmerksamkeit. Niedrige Regalpreise drückten nicht nur den Auszahlungspreis, sondern auch den Wert der Milch im Bewusstsein der Konsumenten. „Es gibt Menschen, die bereit sind, für Qualität mehr zu bezahlen. Aber bei vielen endet dieses Bekenntnis an der Supermarktkasse“, sagt er. Für seinen Betrieb steht jedenfalls fest: „Wir werden unsere Milch nicht verramschen.“
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