Landwirtin im Stall

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18.000 Bäuerinnen vor den Vorhang

Unter dem Motto „Wo Frauen wirken, wächst Zukunft“ nützt die ARGE Bäuerinnen Kärnten das UN-Jahr der Bäuerinnen als Gelegenheit, um einem ganz besonderen Berufsstand eine Bühne zu bieten.

Im Jahr 2026 dreht sich weltweit alles um die Bäuerinnen. Um auf Missstände und die vielen Leistungen dieser Berufsgruppe aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen (UN) das Jahr als „Internationales Jahr der Bäuerin“ ausgerufen – zahlreiche Veranstaltungen inklusive. Auch die ARGE Bäuerinnen Kärnten greift das Thema bereitwillig auf, um „die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen und zentrale Anliegen der rund 18.000 Kärntner Bäuerinnen in den Fokus zu rücken“. Ihr Jahresmotto lautet: „Wo Frauen wirken, wächst Zukunft.“

Hierzulande werden knapp 30 Prozent der etwa 10.000 Höfe von Frauen geführt. Frauen spielen damit in der heimischen Land- und Forstwirtschaft und für die Versorgungssicherheit eine zentrale Rolle. „Oft ist es die Bäuerin, die Innovation auf den Betrieb bringt. Sie ist gut ausgebildet und scheut neue Wege nicht“, teilt Landesbäuerin und LK-Vizepräsidentin Astrid Brunner diesbezüglich mit.

Oft ist es die Bäuerin, die Innovation auf den Betrieb bringt.

Astrid Brunner

Vier zentrale Anliegen

Vieles sei für Bäuerinnen bereits erreicht worden, dennoch gäbe es da und dort noch Verbesserungsbedarf, wie Brunner der BauernZeitung mitteilt. Die ARGE hat deshalb vier konkrete Ziele für 2026 formuliert.

  • Zuallererst wird hier das Thema Vorsorge genannt. Rechtliche und finanzielle Absicherung seien Entscheidungen, die bereits in jungen Jahren zu treffen sind, haben sie doch weitreichende Folgen für das spätere Leben. „Bäuerinnen erhalten mit durchschnittlich 813 Euro eine sehr niedrige Pension und dem gilt es durch rechtzeitige Sensibilisierung entgegenzuwirken“, informiert die ARGE.

  • Auch bei der Förderpolitik sehen die Bäuerinnen noch Nachbesserungsbedarf. Mit Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof, Green Care, Schule am Bauernhof oder durch Tätigkeit als Seminarbäuerinnen tragen Frauen auf den Höfen wesentlich zum Einkommen bei. Die Kärntner Bäuerinnen fordern daher gezielte Fördermaßnahmen von Frauenprojekten mit Mitteln aus der GAP.

  • Die Mehrfachbelastung durch Betrieb, Familie und Pflege führt Brunner ebenfalls ins Treffen: „Das führt oft zu einer Überbelastung.“ Es bräuchte Gesundheitsangebote und auch die Möglichkeit, diese zu nutzen, um den Arbeitsdruck und die Herausforderungen bewältigen zu können. Dazu zählt auch der Ausbau niederschwelliger Angebote für die psychische Gesundheit auf den Höfen. Laut Brunner schärfe die LK hier demnächst nach, „um den Zeichen der Zeit Rechnung zu tragen“, wie sie sagt. Auf einem guten Weg sei man auch, was die Bürokratie beim Zugang zu Unterstützungsmaßnahmen betrifft. Endlose und viel zu komplexe Formulare – etwa beim Wochengeld – sollten damit Geschichte sein.

  • Nicht zuletzt wollen die Bäuerinnen in ihrem Ehrenjahr auch das Netzwerken und Austauschen in der Berufsgruppe, vor allem aber mit den Konsumenten weiter forcieren. „Wir Bäuerinnen sind schon jetzt vielfach die Botschafterinnen der Landwirtschaft“, meint die LK-Vizepräsidentin, trotzdem gehe da noch was.

Kommunikation als Schlüssel

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm der ARGE soll diesen Dialog stärken. Bei Events wie der Bäuerinnenlounge im Sommer, der Teilnahme am Frauenlauf oder Kinoabenden auf Bezirksebene will man sich mit Frauen aus Politik und Wirtschaft vernetzen.

Am Ende des Jahres soll die Gesellschaft über Bäuerinnen und Landwirtschaft besser Bescheid wissen.

Astrid Brunner

„Überall dort, wo Bäuerinnen sich organisieren – in Netzwerken, Kursen, Initiativen –, entsteht enorme gegenseitige Unterstützung“, ist Brunner überzeugt. Neben den Vernetzungsterminen wird natürlich auch die Weiterbildung von Bäuerinnen in bewährter Weise fortgesetzt.

„Am Ende des Jahres soll die Gesellschaft über Bäuerinnen und die Landwirtschaft besser Bescheid wissen“, so das erklärte Ziel der Landesbäuerin. Wichtig ist ihr allerdings zu betonen, dass die diversen Initiativen für starke Frauen in der Landwirtschaft sich nicht gegen die männlichen Berufskollegen richten. „Ein Bauernhof funktioniert immer als Gesamtheit. Bauer und Bäuerin sind gleichermaßen wichtig.“

Die Termine im Überblick

Die Kärntner Bäuerinnen haben dieses Jahr viel vor:

• Bezirksbildungstage von 23. Jänner bis 5. Februar

• Bundesbäuerinnentag am 15. und 16. April in Vorarlberg (Anmeldungen bereits möglich)

• Bäuerinnenlounge am 26. Juni als Netzwerktreffen der Frauen über Spartengrenzen hinaus

• Teilnahme am Frauenlauf von „Kärnten läuft“ am 29. August

• Teilnahme am Aufsteirern in Graz am 20. September, gemeinsame Anreise mit der Koralmbahn

• Kärntner Bildungstag am 20. Oktober

• Weiters: Bäuerinnenfrühstücke, Kinoabende in den Bezirken, Bäuerinnentalks