Kaum ein Prozess ist bei landwirtschaftlichen Betrieben so sensibel und zugleich so entscheidend wie die Hofübergabe bzw. -übernahme. Die Herausforderungen reichen von zwischenmenschlichen Fragestellungen bis hin zu steuerlichen und rechtlichen Aspekten, insbesondere rund um den Übergabevertrag. Genau aus diesem Grund widmete sich die OÖ Jungbauernschaft beim Seminar in der Raiffeisenlandesbank drei zentralen Themenbereichen: rechtliche Fallstricke, Finanzierung und Förderung sowie Generationenkonflikte am Betrieb.
Prozess sorgfältig planen
„Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Wir alle sind Zukunft Landwirtschaft“, betonte Jungbauernlandesobfrau Marlene Neuwirth und unterstrich damit die große Bedeutung der jungen Generation für die heimische Landwirtschaft. Damit diese erfolgreich wirtschaften kann, braucht es eine gut vorbereitete und geordnete Hofübergabe. „Dafür braucht es mehr als ein Betriebskonzept und einen Übergabevertrag“, so Neuwirth.
Ob durch individuelle Beratung oder gezielte Weiterbildungsangebote – jeder Schritt bringt angehende Hofübernehmerinnen und Hofübernehmer einer reibungslosen Übergabe näher. „Die Hofübernahme ist eine wesentliche Zukunftsentscheidung für landwirtschaftliche Betriebe. Der Prozess gehört daher sorgfältig geplant“, betonte Bauernbund-Direktor Wolfgang Wallner.
Rechtliche Klarheit als Fundament
Ein wesentlicher Baustein jeder Hofübergabe ist der Übergabsvertrag. Josef Mursch-Edlmayr, Notar in Neuhofen an der Krems, teilte mit den Jungbauern seine langjährige Erfahrung und zeigte typische rechtliche Fallstricke auf.
Themen wie Anerbenrecht, Ausgedinge für die Übergeber, Pflichtteilsverzicht der weichenden Kinder sowie die Absicherung der Übernehmer, insbesondere im Falle von Investitionen in den Betrieb, wurden praxisnah erläutert.
Er betonte, dass Übergeber und Übernehmer unterschiedliche Bedürfnisse haben: Während es Erstere um den Erhalt des Hofes und die Absicherung ihrer Rechte geht, wollen Zweitere möglichst geringe Belastungen und keine Einschränkung in der Bewirtschaftung. „Was jedoch beide Seiten wollen, ist Frieden in der Familie. Denn das Schlimmste ist, wenn eine Übergabe dazu führt, dass man zerstritten ist“, erklärte der Notar.
Thematisiert wurde auch das Anschreiben des Ehepartners. Hier sollten sich die Übergeber nicht einmischen, da dies immer wieder zu Reibungspunkten führe. Entscheidend sei die Frage, ob der Partner auch am Hof mitarbeitet. Was es aber jedenfalls brauche: „Immer eine Regelung für den Scheidungsfall machen“, so Mursch-Edlmayr.
Seiner Erfahrung nach treten die meisten Probleme nicht im rechtlichen oder wirtschaftlichen, sondern im zwischenmenschlichen Bereich auf. Damit wurde deutlich: Neben klaren Verträgen sei vor allem eine offene Kommunikation entscheidend.
Ein bäuerlicher Betrieb ist etwas sehr Wertvolles.
Josef Mursch-Edlmayr
Kommunikation und Finanzierung
Dass die Kommunikation zwischen den Generationen einer der wesentlichsten Aspekte der Hofübergabe ist, unterstrich auch Katharina Basziszta in ihrem Vortrag zum Nachfolge-Coaching. In ihrer Arbeit begleitet sie Betriebe im Übergabeprozess und unterstützt Familien dabei, Konflikte frühzeitig anzusprechen und konstruktiv zu lösen. Angebote wie das Nachfolge-Coaching der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich bieten hier wertvolle Unterstützung.
Nach der Übernahme gilt es zudem, zahlreiche finanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Stefan Schmalwieser, Agrarbetreuer bei der Raiffeisenlandesbank, informierte über die wichtigsten Punkte zu Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Von der Niederlassungsprämie über Investitionsförderungen bis hin zu zinsgestützten Agrarinvestitionskrediten (AIK) – die Chancen sind vielfältig. Gleichzeitig wies er auf die Einhaltung von Richtlinien und Fristen hin, um Fördermöglichkeiten optimal nutzen zu können.
Erfahrungen einer Jungbäuerin
Zum Abschluss gewährte Jungbäuerin Anna Daller aus Rainbach im Innkreis einen persönlichen Einblick in ihre eigene Hofübernahme. Sie führt einen Legehennen-Betrieb und stellte diesen mit einer eigenen Nudelproduktion erfolgreich auf Direktvermarktung um. Zusätzlich nutzt sie ihre berufliche Erfahrung im Marketing für ihren Betrieb. Auf Social Media gibt sie unter dem Namen „Geflügelhof Daller“ Einblicke in ihren Alltag als Nebenerwerbsbäuerin und Unternehmerin.
Mit dem erfolgreichen Hofübernehmer-Seminar setzte die OÖ Jungbauernschaft ein starkes Zeichen für die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. „Damit wir in Österreich weiterhin eine der jüngsten Landwirtschaften Europas haben, ist es für uns von enormer Bedeutung, die junge Generation weiterhin zu unterstützen – denn wir sind Zukunft Landwirtschaft und das erfordert auch Innovationen für die bäuerlichen Betriebe“, betonte Jungbauernlandesobfrau Neuwirth in ihrem Abschlussstatement.
Finanzielle Impulse
Mit der Übernahme wird die strategische Ausrichtung eines Betriebes häufig neu definiert. Dafür braucht es nicht nur die Unterstützung der übergebenden Generation, sondern auch passende Förderinstrumente. Programme wie die Niederlassungsprämie oder das Jungbauern-Top-Up bieten hier wichtige finanzielle Impulse, insbesondere bei Investitionen.
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