Österreichweit wird fast die Hälfte aller 101.000 landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet oder partnerschaftlich geführt. Ein Spitzenwert im EU-Vergleich. In Oberösterreich liegt dieser Anteil bei 43,6 Prozent: Von 24.440 Betrieben werden rund 25,7 Prozent ausschließlich von einer Bäuerin geführt, 17,9 Prozent partnerschaftlich.
Viele Frauen kommen durch die Heirat auf den Hof, auch immer häufiger als Quereinsteigerinnen aus anderen Bereichen. „Das müssen wir als Chance sehen, nicht als Schwäche", betont Landesbäuerin Johanna Haider. „Frauen bringen als Quereinsteigerinnen wertvolles Wissen und innovative Ideen aus ihren vorherigen Berufen mit", ergänzt Haider. Oft seien es gerade die Frauen, die sich für ein weiteres Standbein am Betrieb stark machen – sei es Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof oder andere Einkommensquellen. Damit halten sie die kleinstrukturierte Landwirtschaft am Leben und sichern die Zukunftsfähigkeit der Betriebe.
Unsere Bäuerinnen leisten Tag für Tag Enormes – für unsere Ernährung, unsere Landschaft und unsere ländliche Kultur. Oft geschieht das im Stillen, aber niemals ohne Wirkung.
Rosemarie Ferstl
Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ
Weiterbildung und Qualifikation
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt, um die Leistungen von Frauen sichtbar zu machen und Herausforderungen aufzuzeigen. Die Landwirtschaftskammer OÖ will diesen Anlass nutzen, um Qualifikation, rechtliche und finanzielle Absicherung sowie die Stärkung weiblicher Stimmen in den Mittelpunkt zu rücken.
„Fortbildung ist das Um und Auf", unterstreicht die Landesbäuerin. Das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) der Landwirtschaftskammer OÖ biete ein umfangreiches Kursangebot. Frauen nutzen diese Möglichkeiten intensiv: 84 Prozent der Teilnehmenden bei Kursen zu Ernährung und Gesundheit sind weiblich, 59 Prozent bei Betrieb und Unternehmen, 58 Prozent bei Direktvermarktung.
Auch bei klassischen Qualifikationswegen zeigt sich ein Wandel: Der Frauenanteil bei neuen Facharbeiterinnen liegt bei 44 Prozent im Vergleich zu 22 Prozent im Jahr 1990. Bei Meisterausbildungen steigt der Frauenanteil ebenfalls kontinuierlich. Zwar dominieren Männer diese Abschlüsse noch, doch die Geschlechterverhältnisse gleichen sich zunehmend an.
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Führungskompetenzen aufbauen
Um Frauen gezielt auf Führungsaufgaben vorzubereiten, bietet die Landwirtschaftskammer OÖ den Ausbildungslehrgang „ZAMm" (Zukunftsorientiert, Agrarwirtschaftlich, Motiviert) an. Seit 2012/13 wurden elf Lehrgänge mit insgesamt 128 Teilnehmerinnen und einem Teilnehmer durchgeführt. Die Ausbildung vermittelt sicheres Auftreten, Argumentationsstärke und agrarpolitisches Verständnis.
Aufklärung über Rechte
Ein besonders wichtiges Anliegen bleibe die finanzielle Absicherung: Erst seit 1991 können Bäuerinnen eine eigene Pension beziehen. Die durchschnittliche Pension liegt derzeit bei rund 813 Euro monatlich – angesichts der hohen Arbeitsbelastung und Verantwortung ein bedenklich niedriger Wert. Online-Webinare wie „Recht(e) haben" sollen über Familien-, Erb- und Sozialrecht aufklären und zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit beitragen.
Für Quereinsteigerinnen wurde die Broschüre „Plötzlich Bäuerin" entwickelt, die einen Überblick über Rechte, Ansprechpartner und Absicherungsmöglichkeiten bietet.
„Ein Großteil der Frauen kommt auf den Hof. Da gibt es viele Themen, die man sich am Anfang vielleicht nicht gleich anzusprechen traut – Finanzen, Testament und andere wichtige Fragen zur Absicherung", erklärt Haider. „Deshalb ist es wichtig, Bäuerinnen immer wieder über ihre Rechte aufzuklären."
Bildungsprogramm 2026
Alle aktuellen Kurse des LFI Oberösterreich sind online abrufbar. Mehr Informationen sind hier nachzulesen: www.ooe.lfi.at
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