So führt Familie Pieber eine Putenmast unter Christbäumen

Die oststeirische Bergbauernfamilie Pieber hat sich auf Lämmerproduktion und Christbaumverkauf spezialisiert. Die Truthühner nehmen am Hof eine Sonderrolle ein.

Puten der Familie Pieber

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Als Bernadette Pieber, ihres Zeichens „Hofheldin“-Preisträgerin, beim Steirischen Bergbauerntag als Rednerin auftrat, überraschte sie mit ihrer offen vorgetragenen Einstellung zu ihrem Beruf. „Ich arbeite mit ganzem Herzen, aber nicht rund um die Uhr. Ich will auch Zeit für unsere zwei Kinder haben“, sagte die 34-jährige Oststeirerin und betonte: „Das Schöne an unserem Beruf ist das Ganzheitliche, dass man Kinder und Arbeit vereinen kann.“

Ihr Mann Stefan denkt ähnlich. Das wird klar, als er den Bergbauernhof vulgo Stoandl in der Gemeinde Naas vorzustellen beginnt: „Wir haben 16 Hektar Wald und fünf Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 1,4 Hektar Christbaumkulturen. Dazu kommen noch sechs Hektar Pachtflächen. Was rundherum zu pachten möglich war, haben wir gepachtet. Viel größer werden wollen wir gar nicht.“ Seine außerlandwirtschaftliche Teilzeitarbeit kann er gut mit der Tätigkeit daheim am Hof kombinieren.

Jura-Schafe

Das betriebliche Hauptstandbein ist die Schafhaltung. „Wir haben sehr steile Leiten. Deshalb haben schon meine Eltern vor 40 Jahren mit Schafen begonnen. Bis 2007 hatten wir auch noch einige Milchkühe“, lässt der 40-Jährige wissen.

Seine Frau ergänzt: „Wir haben uns auf die Lämmerproduktion spezialisiert und erzeugen im Jahr rund 100 Lämmer.“ 45 der insgesamt 50 Muttertiere sind Jura-Schafe. „Sie sind sehr zahm, zutraulich und unkompliziert.“ Die anderen fünf Mutterschafe gehören der Fleischrasse Berrichon du Cher an.

Dadurch, dass der Widder immer in der Herde mitläuft, fallen das ganze Jahr über Lämmer an. Diese werden mit zwei Monaten abgespänt und im Alter von drei bis vier Monaten an die Genossenschaft der Weizer Schafbauern geliefert. Dort ist Bernadette Pieber auch als Aufsichtsratsvorsitzende tätig. Sie berichtet von einer stabilen Markt- und Preislage: „Wir würden im Großraum Weiz sogar noch mehr Lämmer und Schafmilch benötigen.“

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Bernadette und Stefan Pieber erzeugen ganzjährig Lämmer.

Wolle als Dünger

Die Schafe werden einmal im Jahr geschoren. Das erfolgt im April oder Mai und wird nach dem Klauenschneiden durchgeführt. Die Wolle wird im eigenen Betrieb als wertvoller Naturdünger verwendet. Die Fütterung erfolgt großteils mit Heu. „Wenn die Heuqualität passt, lassen sich wirklich gute Leistungen erzielen“, bemerkt die Bäuerin. Sorgen bereitet ihr die 2025 aufgetretene Blauzungenkrankheit.

Mit dem Christbaumverkauf betreibt Familie Pieber eine weitere Sparte. „Wir haben Nordmanntannen und verkaufen die Christbäume ab Hof und bei einem Stand in Graz“, berichtet der Landwirt. Er spricht von einer Ganzjahresarbeit: „Nach Weihnachten wird die Kultur zusammengeräumt, die alten Stöcke werden entfernt. Mitte März werden die neuen Bäumchen gesetzt. Ende April beginnt das etwa alle vier bis sechs Wochen durchzuführende Ausmähen. Ende September startet die Reisigernte für Allerheiligen, Dekoration und Adventkränze. Und schon im Oktober suchen die ersten Kunden in den Anlagen ihren Weihnachtsbaum aus und lassen ihn reservieren.“ Beim Umschneiden der Christbäume achtet Stefan Pieber besonders auf die richtige Mondphase. Rückblickend auf die vergangene Saison sagt der Oststeirer: „Die Kunden wollen schmale, große Christbäume und legen Wert auf die regionale Herkunft.“

Ich arbeite mit ganzem Herzen, aber nicht rund um die Uhr. Ich will auch Zeit für unsere zwei Kinder haben.

Bernadette Pieber

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Familie Pieber hält 50 Mutterschafe und eine Ziege.

Schlachtung am Hof

Zwischen den Christbäumen tummeln sich ganz besondere Rasenmäher. Das sind Puten. Sie helfen, das Gras kurz zu halten und düngen die Fläche. „Früher hatten wir in unseren Christbaumkulturen Shropshire-Schafe, aber das funktionierte nicht. Dann probierten wir es mit Gänsen, und seit fünf Jahren halten wir Puten“, erzählt Bernadette Pieber. „Die Puten genießen die Bäume, lieben ihren Schatten und verstecken sich hier gerne.“

Heuer werden es 70 Truthühner sein, die für eine auffallende Geschäftigkeit zwischen den Christbäumen sorgen. Ende März bekommt Familie Pieber die Küken. Rund um den Muttertag lässt sie die Tiere in die Anlage. Ab Mitte August werden die Puten in vier bis fünf Tranchen am Hof geschlachtet und hier auch verkauft. Dafür haben beide einen eigenen Geflügelschlacht- und Fleischbeschaukurs absolviert.

Die Kunden wollen schmale, große Christbäume und legen Wert auf regionale Herkunft.

Stefan Pieber

Betriebsspiegel

Der Betrieb vulgo Stoandl von Stefan und Bernadette Pieber liegt auf 780 Metern Seehöhe in der Gemeinde Naas nahe Weiz. Zum Hof gehören 16 Hektar Wald und elf Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon sechs Hektar Pachtflächen und 1,4 ha Christbaumkultur. Die Betriebsschwerpunkte sind Lämmerproduktion für die Weizer Schafbauern und der Christbaumverkauf. Eine Besonderheit ist die Ab-Hof-Vermarktung von Putenfleisch.