Am Tiroler Lumpererhof dreht sich alles um Humus und Humor

Das ganze Jahr über versorgt Familie Lutz ihre ­Kunden mit frischem Gemüse. Auch Minusgrade können ihrer Produktion nichts anhaben.

Daniela und Clemens Lutz

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Violetter Grünkohl, gelbe und orange Karotten, Schwarzwurzeln und grüner Sprossenkohl am Stängel – dazu Kohl, Zuckerhut und Feldsalat. „Lumpis Bio Kistl“ zeigt die bunte Vielfalt des Biohofs Lumperer in Fritzens (Tirol, Bezirk Innsbruck-Land). Clemens Lutz führt den Hof gemeinsam mit seiner Frau Daniela. Unterstützt werden die beiden von Schwester ­Maria, die das Marketing übernimmt, den Eltern Margret und Anton sowie fleißigen Mitarbeitern. „Unsere Eltern haben bereits in den 1990er-Jahren auf Bio umgestellt. Damals war der Hof spezialisiert auf Schweinemast, doch auch der Anbau von Beerenobst war bereits ein Teil des Betriebskonzepts“, erzählt Clemens Lutz. Er hat den Betrieb vor zehn Jahren übernommen, nachdem er bereits seit 2008 in Vollzeit am Hof mitgearbeitet hat. Seither hat er das Produktportfolio des Hofs deutlich erweitert: Bis zu 80 verschiedene Gemüsesorten in Bio-Qualität baut Familie Lutz an. Die Haltung von 25 Schweinen zur Speckproduktion ist zur Nebensache geworden. „Im Nachhinein betrachtet war es eine gute Entscheidung, so jung in den Betrieb einzusteigen. So konnte ich viele meiner Vorstellungen auf lange Sicht verwirklichen“, blickt der Gemüsebaumeister zurück.

Risiko schlägt Wurzeln

Das ging oftmals auch mit Wagnissen einher. Noch während seiner Schulzeit an der LLA Rotholz stieß der heute 35-Jährige auf eine interessante Knolle: den Knoblauch. „Meine Eltern sahen es kritisch, dass ich mein Erspartes ausgab, um Knoblauch anzupflanzen. Glücklicherweise ging der Plan auf: Heute ist Knoblauch ein fixes Standbein. Wir produzieren etwa acht Tonnen jährlich“, ist Clemens Lutz zufrieden. Vertrieben werden die Produkte des Biohofs Lumperer über den eigenen Hofladen, eine ganzjährig verfügbare Abo-Kiste mit Hauszustellung, den Haller Bauernmarkt sowie örtliche Gastronomie und im Handel unter der Marke „BIO vom Berg“.

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Die Abo-Kiste ist ganzjährig verfügbar.

Minusgrade – kein Problem

Großer Beliebtheit erfreut sich das Winter- und Lagergemüse des Biohofs. Gerade in der kalten Jahreszeit sei Abwechslung am Speiseplan gefragt, meint Clemens Lutz: „Wir mussten uns auf die Suche machen, was wir im Winter anbauen oder gut lagern können – und das war gar nicht so schwierig. Im Folientunnel halten Salate auch minus zehn Grad aus, solange man sie nicht anfasst. Und durch gute Lagertechnik bleibt Wurzelgemüse lange frisch. Im Freiland gedeihen Sprossenkohl, Lauch und Kohl auch im Winter bestens.“

Nur wer weiß, wie viel Arbeit hinter Bio-Gemüse steckt, schätzt das Produkt auch wert.

Clemens Lutz

Frische Rohnen, Schwarzwurzeln und Grünkohl können für wenig kocherfahrene Kunden durchaus mit Berührungsängsten einhergehen, weiß Daniela Lutz. Diese Angst will sie ihnen durch die Erstellung von Rezeptvideos nehmen. Von der gebratenen Mairübe auf Feldsalat über Kohlchips bis hin zu süßen Rohnen-Cookies reicht ihre Sammlung an saisonalen Rezepten für Winter- und Lagergemüse. „Uns ist die Bewusstseinsbildung ein wichtiges Anliegen. Unser jährliches Pflanzenfest mit Jungpflanzenmarkt, Betriebsführungen für Schulklassen und Reisegruppen, Ausbildungsplätze für Praktikanten und die Betreuung unseres Schulgartens im Dorf sind nur einige der Maßnahmen, die wir treffen, um die biologische Arbeitsweise und den heimischen Gemüsebau verständlich zu machen“, so die dreifache Mutter. Die eigenen Produkte verkochen Schwester Johanna und ihr Mann Christoph und bieten unter dem Namen „nimm.platz“ Erlebnisgastronomie im Folientunnel an. Durch den wöchentlichen Verkauf am Haller Bauernmarkt könne man ebenso viele Kunden erreichen. „Nur wer weiß, wie viel Arbeit hinter Bio-Gemüse steckt, schätzt das Produkt auch wert“, erklärt Clemens Lutz.

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Der Knoblauchanbau ist zu einem Steckenpferd der Gemüsebauern geworden.

Achtsames Miteinander

Wertschätzung ist Familie Lutz auch im Kontext des Arbeitsklimas ein wichtiges Anliegen. Ausgedruckt im Pausenraum hängt ein A4-Zettel – darauf zu lesen das Leitbild des Hofs: „Für eine lebendige Welt, in der durch achtsames Handeln aus einem gesunden Boden eine gesunde Gesellschaft wächst.“ Der Betriebsleiter zeigt sich stolz über seine Mitarbeiter: „Den Leitsatz haben wir gemeinsam als Team ausgearbeitet. Wir stellen übers Jahr gerechnet zwölf Mitarbeiter an. Jeder trägt Verantwortung für einen bestimmten Bereich und darf sich auch mit Ideen am Hof einbringen. Das schafft Verbundenheit untereinander, aber auch zur Arbeit und dem Betrieb.“ Gerade im Sommer bestehe die Arbeit eines Bio-Gemüsebaubetriebs großteils aus Jäten in Handarbeit – eine anstrengende Tätigkeit, die ohne gute Kommunikation nur schwer zu bewältigen wäre. Nicht zuletzt deshalb gehört zu den Werten des Lumpererhofs auch der Grundsatz: „Wir arbeiten mit Humus und Humor.“

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Sommer wie Winter wird auf den hofeigenen Flächen Gemüse geerntet.

Betriebsspiegel

Der Biohof Lumperer in Fritzens (Tirol, Bezirk Innsbruck-Land) umfasst sieben Hektar eigene Ackerfläche, acht Hektar sind zugepachtet. Seit 1990 ist der Hof biozertifiziert. Bis zu 80 Gemüsesorten werden angebaut. Zusätzlich werden 25 Schweine am Hof gehalten. Die Vermarktung ist breit aufgestellt: von Direktvermarktung ab Hof und am Bauernmarkt bis hin zu Partnerschaften mit Gastronomie und Handel.