Bauer im Garten

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Nach der Hofübergabe – der Beginn einer neuen Ära

Der vierte Teil der Serie „Hofübergabe und Hofübernahme" widmet sich der Rolle der Übergeber. Für viele ist eine Hofübergabe schwieriger als einst die Übernahme. Der Niederösterreicher Gerhard Moser (Name von der Redaktion geändert) erzählt, wie es ihm ergangen ist.

Wie bereits in den vergangenen Teilen dieser Serie klar wurde, ist eine Hofübergabe keine einfache Sache. Die meisten tun sich schwer, ein Lebenswerk zu übergeben. Schämen braucht sich dafür niemand. Ein Beispiel aus Niederösterreich zeigt, dass eine Übergabe auf den zweiten Blick aber auch neue Wege öffnen kann, sei es für den Übernehmer, aber vor allem auch für den Übergeber. So erging es auch Gerhard Moser aus Niederösterreich (er möchte anonym bleiben, deshalb wurde der Name von der Redaktion geändert). Der 68-jährige übergab im vergangenen Jahr seinen Ackerbaubetrieb an seinen 42-jährigen Sohn Moritz Moser. Für den nun pensionierten Bauern war die Umstellung vom Betriebsführer zum Senior schwer. Jahrzehntelang hat er alle Entscheidungen selbst getroffen, jetzt schaut er zu, wie die nächste Generation den Hof führt.

Verantwortung loslassen

Die Verantwortung, die Gerhard Moser jahrelang trug, ist plötzlich weg, schildert er: „Einfach ist das nicht. Ich war’s gewohnt, dass alles über meinen Schreibtisch geht. Und auf einmal soll ich nix mehr sagen?“ Beispielsweise fällt es ihm schwer, nicht zu vergleichen, wenn Sohn Moritz neue Maschinen kauft oder andere Sorten ausprobiert. Doch jeder hat eigene Ideen und andere Vorstellungen von Betriebsführung. Auch Moser hätte früher vieles anders gemacht. Doch er weiß: Jetzt ist es Sache der nächsten Generation.

Eine neue Rolle am Hof

Ganz zurückziehen war für Gerhard Moser allerdings keine Option. In den meisten Fällen helfen die pensionierten Eltern vielfach noch mit. So repariert er Maschinen, kümmert sich um den Garten und mäht die Randstreifen der Felder. Auch die Pflege der Hofzufahrt und der Gerätehalle gehören zu seinem Aufgabenbereich. „So Sachen wie mähen, Zäune herrichten oder Holzarbeiten – das sind Aufgaben, die mir noch bleiben. Das ist mir auch wichtig.“ Er lacht: „Der Sohn ist jetzt der Chef.“

Ich bin froh, dass der Hof lebt und dass ich auch noch meine Aufgaben habe.

Gerhard Moser

Was ihm hilft

Geholfen hat, dass sich Moser eigene Projekte gesucht hat. Er verbringt mehr Zeit im Garten, betreibt einen kleinen Gemüseteil für die Familie und engagiert sich in einigen Vereinen. „Wenn man nichts hat, dann wird’s fad. Und dann schaut man nur, was der Sohn anders macht – und das bringt Streit.“ Auch die Abwechslung außerhalb des Hofes tut ihm gut. Regelmäßige Wanderungen mit seiner Frau, Ausflüge mit den Enkeln, ein Stammtisch im Ort. „Früher hat’s dafür keine Zeit gegeben. Jetzt ist das wieder wichtig geworden.“

Mitreden oder schweigen? Ganz einfach ist es für den Pensionisten nicht, Entscheidungen zu akzeptieren. Wenn der Sohn auf dem Feld eine neue Sorte ausprobiert oder Geräte tauscht, möchte er manchmal gleich kommentieren. „Da beiß ich mir dann auf die Zunge. Aber ich denk mir: Er soll’s probieren. Ich habe meine Zeit gehabt. Wenn er mich fragt, sag ich’s ihm aber schon.“ Nach wie vor redet der pensionierte Bauer bei Finanzen oder größeren Investitionen mit – nicht, weil er entscheidet, sondern weil Sohn Moritz seine Meinung hören will. „Das macht’s leichter. Ich habe die Erfahrung, aber er hat den Mut zu was Neuem.“

Leben nach der Übergabe

Heute sieht Gerhard Moser, dass die Übergabe nicht das Ende bedeutet, sondern ein neuer Abschnitt ist. „Man lebt schon weiter – nur anders. Ich bin froh, dass der Hof lebt und dass ich auch noch meine Aufgaben habe.“ Vertrauen haben, loslassen lernen und gleichzeitig den eigenen Platz finden – das ist für ihn der Schlüssel. „Anders, aber auch gut“, sagt er. Und vielleicht auch ein Stück entspannter als früher.

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