In den Wintermonaten kehrt auf vielen Höfen eine gewisse Entschleunigung ein. Feldarbeiten ruhen, der Fokus liegt auf Stallarbeit, Holzschlägerung, Wartung und Instandhaltung. Doch genau diese Phase birgt besondere Gefahren. Kälte, Nässe, Eis und Dunkelheit verändern Arbeitsbedingungen massiv, denn Wege werden rutschig, Maschinen reagieren anders, die Sicht ist eingeschränkt.
In der Landwirtschaft ist das Unfallgeschehen konstant hoch: Im Jahr 2024 wurden laut dem Wirtschaftsklassenbericht der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) knapp 900 Arbeitsunfälle in ganz Österreich verzeichnet. Der Großteil davon stammt aus dem forstwirtschaftlichen Bereich. Schließt man alle Berufsgruppen mit ein, dann waren es insgesamt mehr als 76.000 verzeichnete Arbeitsunfälle.
Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) weist darauf hin, dass Sturzunfälle die häufigste Unfallursache darstellen, sowohl am Hof als auch im Wald. Vereiste Verkehrswege, unebene Böden, schlecht geräumte Zufahrten oder unzureichende Beleuchtung sind typische Risikofaktoren. Hinzu kommt, dass Arbeiten oft alleine oder unter Zeitdruck erledigt werden.
Copyright © luckakcul-stock.adobe.com
Bei Schneefall sollten auf den Traktoren unbedingt Ketten montiert werden.
Routine als unterschätzte Gefahr
Ein zentrales Problem im Unfallgeschehen ist laut Sicherheitsexperten nicht fehlendes Wissen, sondern Routine. Viele Tätigkeiten werden seit Jahren gleich ausgeführt, Handgriffe sitzen, Abläufe sind automatisiert. Genau darin liegt jedoch ein Risiko: Gefahren werden nicht mehr bewusst wahrgenommen.
Besonders im Winter kann diese Routine trügerisch sein. Glatte Flächen, kalte Hände oder dicke Kleidung verändern Bewegungsabläufe. Gleichzeitig steigt der Zeitdruck, sei es durch frühe Dunkelheit oder ungünstige Wetterfenster. Die SVS nennt als häufige Fehler die Missachtung einschlägiger Sicherheitsvorschriften, das Nichttragen persönlicher Schutzausrüstung sowie Eile und Stress im Arbeitsablauf.
Gerade bei Forstarbeiten im Winter zeigt sich dieses Muster deutlich. Schlechte Witterung, rutschiger Untergrund und schlecht instand gehaltene Wege erhöhen die Sturzgefahr erheblich. Die SVS hält dazu fest, dass insbesondere schlecht unterhaltene Verkehrswege eine zentrale Unfallursache darstellen.
Typische Wintergefahren am Hof
Rutschige Flächen:
Schnee, Eis und Tauwetter verwandeln Hofwege, Stallzugänge und Arbeitsflächen schnell in Gefahrenzonen. Besonders kritisch sind stark frequentierte Bereiche, die nicht regelmäßig geräumt oder gestreut werden.
Eingeschränkte Sicht:
Kurze Tage, schlechte Lichtverhältnisse, Nebel oder Schneefall erschweren die Orientierung. Das betrifft nicht nur Maschinenarbeit, sondern auch einfache Wege zwischen Stall, Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden.
Technische Mängel:
Maschinen und Geräte, die vor dem Winter nicht überprüft wurden, können bei Kälte oder Nässe versagen. Defekte Beleuchtung, mangelhafte Bremsen oder verschlissene Sicherheitseinrichtungen erhöhen das Unfallrisiko deutlich.
Prävention beginnt bei Planung und Organisation
Unfallprävention ist laut SVS kein einzelner Handgriff, sondern das Ergebnis mehrerer Faktoren. Einer der wichtigsten ist die Organisation der Arbeitsabläufe. Sorgfältige Planung, realistische Zeitfenster und stressfreies Arbeiten haben großen Einfluss auf die Gesundheit und Sicherheit am Betrieb. „Überlegtes, sorgfältiges und ruhiges Handeln“ zählt aus Sicht der SVS zu den wirksamsten Maßnahmen zur Unfallvermeidung. Ebenso entscheidend ist der Einsatz sicherer und geprüfter Werkzeuge und Maschinen sowie das konsequente Tragen persönlicher Schutzausrüstung (PSA).
Dabei gilt: Welche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Jeder Betrieb ist anders. Genau hier setzt die SVS-Sicherheitsberatung an. Sie unterstützt Betriebe kostenlos dabei, Gefahrenquellen zu identifizieren und individuelle Lösungen zu entwickeln. Oft sind es kleine Änderungen, etwa bessere Beleuchtung oder angepasste Verkehrswege, die große Wirkung zeigen.
Tipps für den Alltag am Hof im Winter
Vor dem Winter kontrollieren: Beleuchtung, Maschinen, Hydraulik und Verkehrswege überprüfen.
Hofwege sichern: Splitt oder feiner Schotter auf rutschigen Passagen.
Sicht verbessern: Zusätzliche Strahler und Warnlichter einsetzen.
Arbeitsabläufe hinterfragen: Wo passieren Beinahe-Unfälle? Kleine Anpassungen wirken oft groß.
Sicherheit thematisieren: Im Familien- und Mitarbeiterkreis regelmäßig darüber sprechen, statt einfach „weiter so“ zu machen.
Copyright © Henry Saint John - stock.adobe.com
Gerade bei Forstarbeiten im Winter ist erhöhte Vorsicht geboten.
SVS-Sicherheitsberatung: Prävention aus einer Hand
Die SVS ist als Trägerin der Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung für selbständig Erwerbstätige, darunter auch Bäuerinnen und Bauern, seit jeher stark im Bereich Prävention engagiert. Ziel ist es laut SVS, Unfälle nicht nur finanziell abzusichern, sondern möglichst zu verhindern. Ein zentraler Baustein ist die SVS-Sicherheitsberatung. Neben Vorträgen und Kursen, in denen über berufsspezifische Gefahren und Schutzmaßnahmen informiert wird, spielt die Beratung vor Ort eine entscheidende Rolle. Durch den direkten Kontakt und das konkrete Aufzeigen von Gefahrenstellen steigt laut SVS die Akzeptanz notwendiger Präventionsmaßnahmen deutlich.
Alle Maßnahmen dienen dabei nicht nur dem Schutz der arbeitenden Menschen, sondern auch der Verbesserung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sowie der langfristigen Förderung der Gesundheit. Um Prävention weiter zu stärken, hat die SVS im Oktober 2025 eine neue Sicherheitsoffensive gestartet und das Angebot des SVS-Sicherheitshunderters ausgeweitet. Gefördert werden unter anderem persönliche Schutzausrüstung, sicherheitstechnische Ausstattungen, regelmäßige Maschinenüberprüfungen, Weiterbildungen zur Erhöhung der Arbeitssicherheit.
Mit diesen Anreizen will die SVS Selbständige dazu motivieren, sich bewusst mit den Themen Gesundheit und Unfallprävention auseinanderzusetzen. Denn Unfälle haben nicht nur gesundheitliche, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen und das nicht nur für den Betrieb, sondern auch für die Familie.
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))