Altes Bauernhaus

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Die etwas andere Hofübergabe: Nachfolger online suchen und finden

„Perspektive Landwirtschaft“ nennt sich jener Verein, der seit 2013 um außerfamiliäre Hofnachfolgen bemüht ist und dafür Anbieter und Interessierte zusammenführt. Im zweiten Teil der Serie "Hofübergabe und Hofübernahme" wird darauf eingegangen.

Es sind neun Bauernhöfe, die österreichweit im Schnitt pro Tag zusperren. Einer der Gründe dafür: Es gibt keine Nachfolger. Das berichtet Margit Fischer, Geschäftsführerin von „Perspektive Landwirtschaft“. Der 2013 von Studierenden an der Universität für Bodenkultur ins Leben gerufene Verein hat sich der außerfamiliären Hofnachfolge verschrieben. Diese sei zum einen für viele noch ein Tabuthema, zum anderen sei sie als Option so manchen Betroffenen noch zu wenig bewusst, betont Fischer.

Beruf und Familie am Hof eng verwoben

Der Grund für eine fehlende Hofnachfolge ist oft die Betriebsgröße – oder besser gesagt die Kleinheit des Hofes, sodass er ohne eine Nische nicht mehr wirtschaftlich zu führen ist. Aber auch ein gänzlich anderer Berufswunsch der eigenen Kinder oder potenziellen Nachfolger bringt Bauern in diese Situation. Dazu kommt, dass ein Bauernhof nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Zuhause ist und den Besitzern ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Vorgängergenerationen beschert. „Der Letzte in einer vielleicht langen Generationenkette zu sein, der für seinen Betrieb keinen Nachfolger findet, kann die Betroffenen sehr belasten“, weiß Fischer. Allmählich sei es aber auch in der Landwirtschaft angekommen, dass Kinder nicht immer den Beruf der Eltern wählen müssen. Sich auf den Prozess einer außerfamiliären Hofnachfolge einzulassen, sei auf jeden Fall schwierig. Schließlich steht beim Verkauf eines Bauernhofes oft nicht der monetäre Wert im Vordergrund. Viel wichtiger sei den meisten, dass das Lebenswerk weitergeführt wird, weil sie eine große Verantwortung für ihren Grund und Boden empfinden.

Jeder Hof zählt

Sade Stöger ist im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Bewusstseinsbildung über die Auswirkungen des Höfesterbens auf die gesamte Gesellschaft ist ihr ein Anliegen. „Wir freuen uns über jeden Hof, der einen Nachfolger findet und nicht aufgegeben wird“, sagt sie. Die 2018 gestartete Online-Plattform des Vereins bringt Suchende und Übergebende von Höfen zusammen, etwa 20 erfolgreiche Vermittlungen werden pro Jahr gezählt. Aktuell sind dort etwa 120 Höfe und 400 Suchende registriert. Nicht angeboten werden juristische, betriebswirtschaftliche oder psychologische Beratungen, diese werden jedoch vermittelt.

Etwa die Hälfte der Personen, die an der Übernahme eines Hofes interessiert sind, kommt aus der Landwirtschaft – etwa als „weichende Erben“ –, die andere Hälfte sind Neu- oder Quereinsteiger mit entsprechender fachlicher Ausbildung.

Hin und wieder komme es auch vor, dass Erfahrung fehle und nur „romantisiert“ werde, wie Stöger es nennt. „Aber es gibt ja eine große Vielfalt auf beiden Seiten, etwa dass nur eine Kooperation gesucht wird oder lediglich Teile eines Betriebes zu verpachten sind“, so Stöger. Haben sich Anbieter und Interessent auch auf emotionaler Ebene gefunden, wird üblicherweise eine Probezeit vereinbart. „Wir plädieren für Offenheit. Am besten ist es, wenn vorab über alles geredet wird und die Vorstellung beider Seiten genannt wird“, sagt Stöger. Wer reflektiert ist und genau weiß, was er will, erhöht die Erfolgsaussichten und verkürzt die Dauer des Prozesses.

Vom Verkauf über eine Verpachtung bis hin zum Verschenken sei alles möglich. Am häufigsten komme vor, dass sich die Übergeber eine Leib- oder Zeitrente in den Vertrag schreiben lassen. „Das Spezifikum in dieser Branche ist, dass man nicht nur einen Betrieb übergibt, sondern in der Folge meist auch das Zusammenleben zu regeln hat“, so Stöger.

Oft steht nicht der monetäre Wert im Vordergrund, sondern das Gefühl der Verantwortung gegenüber Grund und Boden.

Margit Fischer

Geschäftsführerin "Perspektive Landwirtschaft"

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Das Paar hat erfolgreich einen Hof außerfamiliär übernommen.

Der "Ferdlhof" in OÖ zurück im Vollerwerb

Ein gelungenes Beispiel für eine reibungslose außerfamiliäre Hofnachfolge stellen Christina Proßegger und Johannes Schullern dar. Das Paar – Schullern kommt aus Tirol, Proßegger aus dem oberösterreichischen Innviertel – hat vor knapp vier Jahren einen Bio-Bauernhof im Mühlviertel (OÖ) übernommen. Der „Ferdlhof“ in Ulrichsberg ist bis dahin von Margit und Josef Krenn in dritter Generation bewirtschaftet worden. Als es in Richtung Pensionsalter ging und sich herausstellte, dass eine Hofübernahme für die eigene Tochter keine Option war, kam die „Perspektive Landwirtschaft“ ins Spiel.

Johannes Schullern erinnert sich: „Wir haben uns im Mai als Suchende registriert und im Sommer ein paar Betriebe angeschaut. Über den Winter haben wir schon für ein paar Wochenenden auf unserem heutigen Betrieb verbracht und mit den Altbauern alles mögliche besprochen, Beratungen bei der Landwirtschaftskammer gemacht und ein Hofübernahmekonzept erstellt. Mit April haben wir den Betrieb übernommen.“

Dass das Ganze so rasch gegangen ist, sei der guten Vorbereitung der Vorbesitzer zu verdanken gewesen. Sogar die getrennten Wohnmöglichkeiten seien schon gerichtet gewesen. Ohne Probleme lief auch der Umbau des Betriebes von Milchkühen auf Milchziegen ab. Nach dem Bau eines neuen Stalls gehören heute 120 Muttertiere plus Nachzucht zum Betrieb, der seither wieder im Vollerwerb geführt wird.

Enges Verhältnis und Hilfe der Altbauern

Das Verhältnis zwischen Übergeber und Übernehmer sei mittlerweile als eng zu bezeichnen, betont Schullern. „Wir machen viel gemeinsam und bekommen die Hilfe der Altbauern, wenn wir darum bitten.“

Zu reflektieren, wie man in Zukunft leben möchte, ist unabdingbar –auf beiden Seiten. das bestätigt auch Johannes Schullern: „Sich vorab ganz genau überlegen, was einem wichtig ist und das aber auch ohne Vorbehalte aussprechen“, so sein Tipp. Im Idealfall geht die Rechnung für beide Seiten auf – und ein weiteres Hoftor bleibt offen. „Jeder Hof zählt“ ist schließlich eine Devise, die für die gesamte Gesellschaft gilt.

Termine

  • 13. Februar 2026: Kommunikationsworkshop „Jeder Hof zählt“ für Landwirte in Göriach (Salzburg), 15 bis 18 Uhr.

  • 14. Februar 2026: Informationsveranstaltung „Lebenswerke übergeben und neu beginnen“ in Tamsweg (Salzburg), 10 bis 13 Uhr.

  • 13. März 2026: „Lebenswerke übergeben und neu beginnen“ in Gmünd (Niederösterreich), 15 bis 18 Uhr.

  • 17. März 2026: Online-Gespräch (via Zoom) „Balance statt Burnout – gesund durch den Bauernalltag“ von 19 bis 20:15 Uhr.

    Zu allen Veranstaltungen ist eine Anmeldung über www.perspektive-landwirtschaft.at erforderlich.