In der EU entscheidet die Zulassung darüber, welche Mittel Landwirte zum Schutz ihrer Pflanzen einsetzen dürfen. Laut der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) kann das Fehlen wirksamer Wirkstoffe weitreichende Folgen haben, nicht nur für einzelne Betriebe, sondern für die gesamte regionale Lebensmittelversorgung.
„Pflanzenschutzmittel sind kein Selbstzweck, sondern Werkzeuge, um Pflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkraut zu schützen. Werden sie vom Markt genommen, ohne dass gleichwertige Alternativen zur Verfügung stehen, steigen die Risiken vom Feld bis zum Einkaufskorb“, sagt IGP-Obmann Christian Stockmar.
Stehen Landwirten keine wirksamen und praxistauglichen Mittel zur Verfügung, stoßen auch vorbeugende und nicht-chemische Maßnahmen an ihre Grenzen. Unkraut, Schädlinge und Krankheiten können sich stärker und häufiger ausbreiten. Die Folgen sind Ertragsverluste, Qualitätsminderungen und ein höherer Produktionsaufwand. Besonders betroffen sind Kulturen mit hohem Schaderregerdruck oder langer Standzeit im Feld, bei denen Fruchtfolge, Sortenwahl oder mechanische Maßnahmen allein nicht ausreichen.
Auswirkungen auf Feld und Saatgut
Die Folgen fehlender Wirkstoffe reichen über eine einzelne Saison hinaus. In der Saatgutvermehrung sind sie wesentlich für Ertrag, Keimfähigkeit und Sortenreinheit. Wird der Befall nicht ausreichend kontrolliert, werden Saatgutpartien abgewertet oder ausgesondert, im Extremfall fallen Vermehrungen aus.
Langfristig kann das die Verfügbarkeit von hochwertigem Saatgut einschränken, die Sortenvielfalt reduzieren und die Abhängigkeit von Importen erhöhen. Damit wird ein zentrales Fundament der landwirtschaftlichen Produktion geschwächt.
Strukturwandel statt Angebotsvielfalt
Werden Risiken dauerhaft nicht beherrschbar, reagieren Betriebe mit strukturellen Anpassungen. Anbauflächen werden reduziert, Kulturen aufgegeben, Investitionen verschoben oder langfristige Planungen in Frage gestellt. Besonders arbeitsintensive Sonderkulturen geraten dadurch unter Druck.
Gleichzeitig steigen die Produktionskosten. Um Schäden zumindest zu begrenzen, sind mehr mechanische Maßnahmen notwendig, Felder werden häufiger befahren und der Bedarf an Arbeitskräften nimmt zu. Fixkosten bleiben bestehen, während Erlöse sinken. Diese Entwicklung belastet die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und wirkt sich langfristig auf Angebot und Preise aus.
Auswirkungen entlang der Lebensmittelkette
Geringere Erntemengen und steigende Produktionskosten führen zu einem knapperen Angebot. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Importen aus Regionen mit niedrigeren Produktionsstandards. Regionale Produkte werden seltener, die Auswahl nimmt ab und Transportwege werden länger.
Zulassungsverfahren sind wichtig, um Mensch und Umwelt zu schützen. Gleichzeitig braucht es planbare, wissenschaftlich fundierte Rahmenbedingungen, damit Alternativen rechtzeitig verfügbar sind und bestehende Lücken geschlossen werden können. Eine Landwirtschaft, von der hohe Umwelt- und Qualitätsstandards erwartet werden, ist auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen.
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))