Ein Bewirtschafterwechsel oder eine Betriebsneugründung ist für junge Landwirte ein großer Schritt, organisatorisch, rechtlich und finanziell. Um den Einstieg zu erleichtern, stehen gezielte Förderungen zur Verfügung. Voraussetzung ist jedoch, dass Anträge rechtzeitig und vollständig gestellt werden. In der Praxis zeigt sich: Nicht die Förderung selbst ist die Herausforderung, sondern der Weg dorthin. Darauf weist auch die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hin.
Viele Beihilfen, viele Fristen
Eine zentrale Unterstützung ist das Junglandwirte-Top-up. Dabei werden die Direktzahlungen pro Hektar für maximal fünf Jahre um rund 66 Euro erhöht, für bis zu 40 Hektar. Anspruchsberechtigt sind Junglandwirte, die im Jahr der Betriebsaufnahme nicht älter als 40 Jahre sind und über eine geeignete landwirtschaftliche Ausbildung verfügen. Diese muss entweder bereits vorliegen oder spätestens innerhalb von zwei Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit abgeschlossen werden, informiert die LK Niederösterreich.
Besonders wichtig ist der Zeitpunkt der erstmaligen Beantragung. Diese muss spätestens im auf die Betriebsübernahme folgenden Antragsjahr erfolgen. Wer beispielsweise im Jahr 2025 übernommen hat, muss das Top-up zwingend im Mehrfachantrag 2026 beantragen. Zusätzlich sind Unterlagen wie Ausbildungsnachweise, ein SVS-Nachweis über den Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit sowie, bei Gesellschaftsbetrieben, ein entsprechender Gesellschaftsvertrag erforderlich, wie die LK betont.
Übernahme, ein langer Prozess
Die Fülle an Formularen empfindet auch Jungbauer Thomas Honsig aus dem Weinviertel als herausfordernd. Er hat den Betrieb vor wenigen Wochen übernommen und befindet sich somit mitten im administrativen Übernahmeprozess. „Die Antragstellung selbst war für mich nicht die Herausforderung“, erklärt er. „Schwierig ist, dass so viele Dinge gleichzeitig laufen und sich über Wochen oder Monate ziehen.“
Gerade das Behalten des Überblicks über Fristen, Anträge und Rückmeldungen erfordere Zeit und Aufmerksamkeit. Welche Meldung ist bereits erledigt? Was fehlt noch? Diese Fragen begleiten viele Hofübernehmer in den ersten Monaten als Betriebsführer. Die Komplexität liegt weniger in einzelnen Formularen als im Zusammenspiel zahlreicher Stellen, von der AMA über die SVS bis hin zu pensionsrechtlichen Themen, wie auch die LK Niederösterreich aus der Beratungspraxis berichtet.
Beratung spart Zeit und Fehlentscheidungen
Für Thomas Honsig war deshalb die frühzeitige Inanspruchnahme professioneller Beratung entscheidend. Die Unterstützung durch die Bezirksbauernkammer – in seinem Fall Hollabrunn – beschreibt er als „sehr gut und umfassend“. Ohne diese Begleitung wäre es für ihn kaum möglich gewesen, alle Fördermöglichkeiten und Verpflichtungen vollständig zu erfassen, ist er überzeugt. Die Beratung helfe nicht nur dabei, Anträge korrekt zu stellen, sondern auch dabei, Prioritäten zu setzen und den Überblick zu behalten.
Neben dem Junglandwirte-Top-up gibt es laut LK Niederösterreich mit der Niederlassungsprämie eine weitere wichtige Unterstützung: Über die Digitale Förderplattform der AMA können einmalig, je nach Modulen, bis zu 15.000 Euro beantragt werden. Auch hier gelten klare Alters- und Ausbildungsvoraussetzungen.
Am Ende zeigt sich: Die Betriebsübernahme ist ein anspruchsvoller und zeitintensiver Prozess, der viel Aufmerksamkeit erfordert. Wer sich frühzeitig informiert, Fristen ernst nimmt und auf fachliche Beratung setzt, kann Förderungen gezielt nutzen und unnötige Verzögerungen vermeiden.
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))