177 Prozent beträgt Österreichs Selbstversorgungsgrad bei Milch, 107 Prozent bei Fleisch und immerhin 87 Prozent bei Eiern. Mit nicht einmal einem Zehntel davon kann die heimische Fischereiwirtschaft von solchen Zahlen nur träumen. Doch auch als vergleichsweise kleiner Zweig der österreichischen Primärproduktion, zeigte sich die Branche bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums dennoch stolz. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Strategiepapiere zur Förderung der Branche und zur Steigerung der Versorgung mit heimischem Fisch.
Wo steht die österreichische Fischereiwirtschaft?
Der diesjährige Fischerschöpfungstag fiel auf den 28. Jänner. Das Datum markiert jenen Tag, an dem das heimische Produktionsvolumen an Fisch für das Kalenderjahr statistisch bereits aufgebraucht wurde. 92 Prozent des hierzulande verzehrten Fisches müssen importiert werden. Einerseits ist das ein logischer Umstand: Als Binnenstaat hat Österreich keinen Zugang zum Meer und ist somit auf Importe von Meeres- und Salzwasserfischen angewiesen. Jedoch ist auch der Selbstversorgungsgrad bei Süßwasserfischen, mit 30 Prozent nach wie vor ausbaufähig.
Melanie Haslauer, Fachreferentin der LK Niederösterreich und stellvertretende Geschäftsführerin des Österreichischen Verbandes für Fischereiwirtschaft und Aquakultur, und Matthias Lentsch, Vertreter aus der Abteilung für tierische Produkte des Landwirtschaftsministeriums, zeigten sich bei der Wintertagung jedoch optimistisch, wenngleich es auch „viel Nachholbedarf“ gebe, wie Lentsch zugab.
Der Fischkonsum in Österreich steigt. So aber auch die Produktion. Seit 2011 konnte der Selbstversorgungsgrad von fünf auf acht Prozent gesteigert werden. 95 Betriebe sind seit 2012 neu eingestiegen, 52 davon in den vergangenen sechs Jahren. 2018 wurden rund 4.000 Tonnen Fisch produziert, 2024 waren es bereits 5.000 Tonnen.
Mitgeholfen habe der „Nationale Strategieplan“ für die Branche. Dieser beinhaltet Ziele und Maßnahmen, die das Landwirtschaftsministerium 2018 für die Fischereiwirtschaft setzte. „Die Steigerung der heimischen Produktion ist das eigentliche Herzstück des Plans“, so Lentsch. Dazu gehöre auch die Anpassung an den Klimawandel, die Steigerung der Nachhaltigkeit und der Qualität. Sechs Jahre sind seither vergangen, die Produktion konnte um 45 Prozent gesteigert werden. „55 Prozent fehlen noch, aber es bleiben noch drei Jahre Zeit“, so Haslauer.
Copyright © Martin Machtlinger
Wie soll das Ziel erreicht werden?
Helfen soll die Aufstockung des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds – kurz EMFAF. Lag das Budget zur Förderung des heimischen Fischereisektors ursprünglich bei 15 Millionen Euro, wurde dieses 2025 um weitere fünf Millionen Euro aus dem Impulsprogramm für die Landwirtschaft aufgestockt. „Die EU will die Aquakulturproduktion steigern“, ist sich Haslauer sicher. Die Europäische Kommission habe „interessante Analysen“ veröffentlicht. Man habe erkannt, dass man die Aquakultur aufwerten müsse und dass Verfahren, die heute kompliziert sind, vereinfacht und beschleunigt werden müssen, beispielsweise durch gebündelte Genehmigungsverfahren.
Dem entgegnete Johannes Frankhauser, Sektionsleiter Landwirtschaft im Ministerium, dass die GAP-Reform ab 2028 derzeit deutlich knappere Budgets vorsehe. „Aber es gilt nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich aktiv im Diskurs einzubinden. Der Anteil für die Fischereiwirtschaft ist in Österreich niedrig. Unsere Priorität ist es, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen“, verspricht Frankhauser.
Was sind die Hemmschwellen für die Entwicklung?
Für Eva Keferböck, Obfrau des Österreichischen Indoor Aquakulturvereins, ist die Diversifikation der möglichen Fischarten, die in Indoor-Aquakulturen gezüchtet werden, ein wichtiges Anliegen, um das viel zitierte Entwicklungspotenzial in den nächsten drei Jahren auszuschöpfen: „Der Hauptfisch, der im Aquakulturverein gezüchtet wird, ist der Afrikanische Wels. Doch der Bedarf ist in diesem Ausmaß nicht gegeben“. Hierfür müssten „ordentliche Richtlinien geschaffen“ und die Technologie der Indoor-Aquakultur weiterentwickelt werden. Dann gäbe es nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa einen Anstieg der Versorgung.
„Der Hauptfisch, der im Aquakulturverein gezüchtet wird, ist der Afrikanische Wels. Doch der Bedarf ist in diesem Ausmaß nicht gegeben.“
Eva Keferböck, Obfrau des Österreichischen Indoor Aquakulturvereins
Klare Richtlinien fordert auch Markus Payr, Obmann des Österreichischen Verbandes für Fischereiwirtschaft und Aquakultur. Das Potenzial der Fischereiwirtschaft sie hierzulande zwar „wahnsinnig groß“ und es sei wichtig, heimischen Fisch zu produzieren, doch würden unterschiedliche Interessen die Branche ausbremsen. „Es wäre wichtig, dass wir ein Team haben, eine Ganzheit“, lautet sein Appell. Lippenbekenntnisse auf EU-Ebene sollten der Vergangenheit angehören, appellierte er.
Die unterschiedlichen Beweggründe sieht Sektionsleiter Frankhauser allerdings als Chance, um in den Dialog mit Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Fischereiwirtschaft zu treten. Den Nationalen Strategieplan, der auch mit Vertretern aus der Fischereiwirtschaft erarbeitet wurde, bezeichnet Frankhauser als „ganz klares Bekenntnis zum Ausbau der österreichischen Fischereiwirtschaft“.
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))