Rinderstall

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Technische Lösungen für klimafitte Rinderhaltung

Der Klimawandel bringt längere Hitzeperioden, häufigere Extremtemperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit mit sich – Bedingungen, die für Rinder schnell zur Belastung werden können.

Rinderstallungen klimafit zu gestalten ist eine der zentralen Zukunftsaufga­ben der Nutztierhaltung. Nur mit einer optimalen Durchlüftung sowie einem gezielten und sinnvollen Einsatz technischer Maß­nahmen wird es gelingen, Hitze­phasen für den Tierbestand er­träglicher zu gestalten und gesundheitliche Einschränkungen oder Leistungseinbußen zu verhindern.

Hitze gefährdet die Wirtschaftlichkeit

Rinder finden ihre optimalen Umweltbedingungen in einem Temperaturbereich zwischen 4 und 16 Grad Celsius. Je nach Leis­tungsniveau der Tiere führt jede Überschreitung dieses Bereichs rasch zu Stressreaktionen. Besonders hochleistende Milchkühe reagieren empfindlich auf steigende Temperaturen. Neben sichtbarem Hitzestress – wie verstärkter Atmungsrate, ver­ringerter Futteraufnahme, länge­ren Stehzeiten oder Einbu­ßen der Milchleistung – können unter ungünstigen Kombinati­onen aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch schwerwiegende gesundheitliche Prob­leme bis hin zu Verendungen auftreten.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Schon mäßiger Hitzestress führt nachweislich zu schlechterer Fruchtbarkeit, ge­ringeren Geburtsgewichten bei Kälbern und einer insgesamt schlechteren Entwicklung der Nachfolgegenerationen. Zudem sinken Milchleistung und Futter­verwertung, was die Rentabilität der Betriebe unmittelbar beeinträchtigt.

Hitzestress frühzeitig erkennen

Entscheidend ist es, Hitzestress möglichst früh zu erkennen. Neben der sorgfältigen Beobachtung des Tierverhaltens liefert der Temperatur-Feuchte-Index (THI) eine einfache und verlässliche Einschätzung der Stallbedingungen. Mithilfe eines Thermohygrometers und einer THI-Tabelle lässt sich schnell beurteilen, ob Handlungsbedarf besteht. Ab einem THI-Wert von 70 sollte umgehend reagiert und für Abkühlung gesorgt werden, um negative Auswirkungen auf den Tierbestand zu vermeiden.

Optimierung bestehender Stallungen

Viele bestehende Stallgebäude sind nicht auf die heutigen klimatischen Bedingungen ausgelegt. Mängel in der Bauausführung – wie unisolierte Dachkonstruktionen, fehlende Hinterlüftung oder ungünstige Ausrichtung – fördern den Eintrag von Strahlungswärme in den Tierbereich. Solche baulichen Schwächen lassen sich im Bestand oft nur mit hohem finanziellem Aufwand beheben. Umso wichtiger sind technische Maßnahmen, die gezielt zur Reduktion von Hitzestress eingesetzt werden können.

Ventilatoren und Luftführung

Ventilatoren sind ein bewähr­tes Mittel, um durch erhöhte Luftgeschwindigkeiten von über 2 m/s für Abkühlung zu sorgen. Besonders im Liege­bereich verbessern sie die Liegedauer, fördern die Verdau­ung und wirken sich positiv auf die Klauengesundheit aus. Auch im Vorwar­te­bereich und im Melkstand leisten Ventilatoren wertvolle Diens­te, indem sie sowohl die Fliegenbelastung reduzieren als auch überschüssige Feuchtigkeit abführen.

Erst in einem weiteren Schritt werden Ventilatoren oberhalb des Fressbereichs installiert. In­novative Systeme kombinieren Ventilatoren mit Sprühanlagen, um die Körpertemperatur der Tiere aktiv abzusenken. Hierbei ist ein klar abgegrenzter Einsatz­bereich entscheidend: Die Luftfeuchtigkeit muss unter 80 Prozent bleiben und der Einsatz sollte erst ab einem THI von 70 erfolgen, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

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Frischluft durch Schlauchbelüftung

Auch Schlauchbelüftungssysteme haben sich in der Praxis bewährt. Sie ermöglichen eine gezielte Zufuhr von Frischluft direkt in den Liegebereich der Tiere. Wichtig ist neben einer gezielten Planung und Montage eine ganzjährige Nutzung, da ansonsten Kondensat, Staub oder andere Ablagerungen im Schlauchinneren entstehen können, die Hygiene und Funktion beeinträchtigen.

Planung und Qualität entscheiden über Erfolg

Bei allen technischen Ein-bau­ten müssen Energieverbrauch, Lärmemissionen und techni­sche Qualität der Geräte berück­sich­tigt werden. Ein Prüfsiegel oder Prüfbericht sollte selbstver­ständ­lich eingefordert werden. Ebenso entscheidend ist eine fachgerech­te Planung und Ausrichtung der Systeme – idealerweise durch ge­schultes Fachper­sonal –, um die gewünschte Wir­kung zu erzielen und langfristig eine kli­mafitte, tiergerechte und wirtschaftliche Rinderhaltung sicherzustellen.

Ausblick und Forschungsaktivität

Das Haus Raumberg-Gum­pen­stein zeichnet sich durch innovative Ideen und eine laufende Weiterentwicklung der Haltungs­bedingungen in der Nutz­tierhal­tung aus. Unter ständiger Einbe­ziehung der Praxis werden neben technischen Varianten auch neue Lösungen gesucht. An der LFS Kirchberg am Walde ent­steht in Kür­ze ein neuer Rinderstall, welcher die Konzepte der Zukunft berücksichtigt: Unterflurzuluftkanäle sind bereits in anderen Nutztier­segmenten gängige Pra­xis und zeigen neben einer verminderten Temperatur im Sommer eine Vorkonditionierung so­wie Anwärmung der Zuluft im Winter. Die Nutzung des Erdrei­ches wird für eine direkte Wirkung am Tier genutzt – so erfolgt die Zulufteinbringung in diesem neuen Konzept unmittelbar in den Liegebereich der Tiere. Mit dieser neuen Art der Liege­boxen­kühlung verspricht man sich op­timierte Klimabedingungen im Jahresverlauf unter deutlichen Reduktion des erforderlichen technischen- sowie Energieaufwandes.

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