Seit nunmehr 30 Jahren ist Österreich auf der Grünen Woche, der global wohl bedeutendsten Messe für Ernährung und Landwirtschaft, durch die AMA-Marketing und einzelne bäuerliche Produzenten vertreten. Das habe sich auch ausgezahlt, wird im Hinblick auf die agrarische Außenhandelsbilanz immer wieder betont.
Zum Messeauftakt vergangene Woche präsentierte AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek die neuesten Zahlen. Besonders in Deutschland steige die Nachfrage nach hochwertig verarbeiteten Lebensmitteln wie Fleischwaren, Speck, Käse, Obst- und Gemüsezubereitungen sowie Backwaren. „Es freut uns sehr zu sehen, wie stark sich Österreich im Export als Land der Veredelung positioniert. Hochwertig verarbeitete Lebensmittel treffen international – insbesondere in Deutschland – den Geschmack der Zeit und bestätigen den erfolgreichen Weg unserer Produzentinnen und Produzenten“, so Mutenthaler-Sipek.
Deutschland als wichtigster Abnehmer
Der Wert der gesamten Agrarexporte erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 2025 übrigens von rund 12,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 13 Milliarden Euro. Gleichzeitig ging die Exportmenge von 8,1 auf 7,8 Millionen Tonnen zurück. Die Agraraußenhandelsbilanz lag demnach bei minus 1,9 Milliarden Euro. „Gemeinsame Agrarpolitik, internationale Zölle und Lieferketten-Herausforderungen verstärken den intra-europäischen Handel“, hieß es von der AMA. Nur mehr knapp ein Fünftel der Agrarexporte sei für Drittstaaten bestimmt. Die USA waren 2025 erstmals nicht mehr Teil der Top-10-Exportadressen. Mit rund 40 Prozent des Exportvolumens sitzt Deutschland als „mit Abstand wichtigster Handelspartner“ fest im Sattel. Im Geschäft mit der Bundesrepublik fällt die Agrarhandelsbilanz erneut zugunsten Österreichs positiv aus. Exporte im Wert von 5 Milliarden Euro stehen Importen von 4,9 Milliarden Euro gegenüber. Der Saldo beträgt somit stolze 220 Millionen Euro.
Eine Messe feiert Geburtstag
Die „Grüne Woche“ vormals „Internationale Grüne Woche“ findet seit 100 Jahren in Berlin statt. Im Vorjahr besuchten rund 310.000 Menschen das Messe-Spektakel der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Laut Veranstalter sind 1.600 Aussteller aus mehr als 50 Ländern vor Ort. Heuer läuft die Messe noch bis zum 25. Jänner.
Das Top-Exportprodukt ist übrigens alkoholfreie Limonade, gefolgt von verarbeiteten Produkten auf Basis von Fleisch, Milch, Obst, Gemüse und Getreide. Wurst-, Schinken- und Speckwaren aus Österreich erfreuen sich in Deutschland laut AMA-Marketing besonders wachsender Beliebtheit: Der Exportwert stieg um 8,8 Prozent, die Menge um 6,7 Prozent. Die Preise pro Kilogramm seien seit 2023 zumindest stabil. Auch Käse zeigt – nach einem Rückgang im Jahr zuvor – wieder wertmäßige Zuwächse um satte 13 Prozent. Da wundert es wenig, dass die AMA-Marketing am Messestand auch mit Speisen auf Basis genau dieser Produkte – vom Speckknödel bis zum Schweinsbraten – um die Gunst der deutschen Verbraucher wirkt. „Unser Ziel ist, wo immer möglich, die regionale Herkunft der Urprodukte und die kontrollierte Qualität mit dem AMA-Gütesiegel und AMA-Biosiegel sichtbar zu machen“, betonte Mutenthaler-Sipek.
Ruf nach Kennzeichnung auch in Berlin
Vor dem Hintergrund des am Wochenende unterzeichneten Mercosur-Handelsabkommens nutzten auch die Spitzenvertreter der österreichischen Agrarpolitik, um vor Journalisten ihre Kernforderungen für 2026 zu präsentieren. „2026 ist das Jahr der Weichenstellungen und der Chancen für die EU-Landwirtschaft“, erklärte etwa Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Er werde in Brüssel weiter für „ein ausreichend dotiertes, zweckgebundenes Agrarbudget“ kämpfen. Bekanntlich wird dieses heuer für den Zeitraum nach 2027 festgezurrt.
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Auch Deutschlands Agrarminister Alois Rainer kam zum Kurzbesuch auf den Messestand Österreichs.
In Richtung Mercosur unterstrich er:„Wir sind ein Qualitätsproduzent und stellen hochwertige Lebensmittel her. Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen Konsumenten auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt und sich bewusst für österreichische Produkte entscheiden können.“ Möglich machen soll das eine EU-weite Herkunftskennzeichnung, welche der Minister als „zentralen Wettbewerbsfaktor“ bezeichnete.
Konsumenten müssen auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt.
Norbert Totschnig
Landwirtschaftsminister
Zustimmung erhielt er von Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Jüngste Versprechungen des Lebensmitteleinzelhandels, kein Frischfleisch aus Südamerika zu listen, nahm er wohlwollend zu Kenntnis. Zugleich forderte er entsprechende Schritte auch bei Verarbeitungsware. „Es ist nicht wurst, was in der Wurst ist“, so Strasser der generell für ein Ende der Schleuderpreise bei Lebensmitteln plädierte. Auch LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger stellte klar: „Mehr Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und Industrie kann nicht auf Kosten der Landwirtschaft geschaffen werden.“ Die Branche habe derzeit „ein Kostenproblem“.
Agrarkommissar ebenfalls für Auslobung
Das Thema Herkunftskennzeichnung brachte beinahe zeitgleich auch EU-Agrarkommissar Christophe Hansen in Berlin aufs Tapet. Zur Eröffnung der Messe sprach er von einem europäischen Ansatz. „Verbraucher müssten wissen, woher ihre Lebensmittel stammen, insbesondere bei stark verarbeiteten Produkten“, erklärte er. Zumindest bei Fleisch wünsche er sich eine Lösung. Gleichzeitig warnte er vor einer zu kleinteiligen Kennzeichnung: „Ich will nicht, dass wir jetzt anfangen, überall Baden-Württemberg, Brandenburg, Bayern oder Luxemburg draufzuschreiben.“ Was das für die genaue Ausgestaltung bedeutet, ließ er allerdings offen.
Compliance-Hinweis: Die Kosten für die Reise wurden von der LK-Österreich übernommen.
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