Ländliches Schulwesen im stetigen Wandel

Landesschulinspektor Stefan Prantauer hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Im Interview sprechen er und seine Nachfolgerin Maria-Luise Schnegg über prägende Meilensteine, soziale Verantwortung und Zukunftsperspektiven.

Prantauer Schnegg Geisler

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Herr Dr. Prantauer, worauf blicken Sie nach all den Jahren im landwirtschaftlichen Schulwesen mit besonderem Stolz zurück?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg PRANTAUER: Etliches gemeinsam mit ganz vielen Beteiligten umgesetzt zu haben ist das, was für mich sehr erfüllend ist und in mir große Freude und Zufriedenheit auslöst. Unsere Schulen finden großen Anklang, sie sind anerkannt und haben im Land einen guten Ruf. Im persönlichen Mittelpunkt stand bei mir immer die Pädagogik – das Arbeiten mit unseren jungen Menschen, wobei neben den fachlichen Inhalten in Theorie und Praxis die soziale Kompetenz eine ganz zentrale Rolle einnimmt. Dass es dazu auch einer modernen und angepassten Infrastruktur und vor allem auch eine den Bedürfnissen der Zeit angepasste Ausbildung des Lehrkörpers bedarf erklärt sich von selbst. So darf ich die großen Lehrplanreformen basierend auf dem kompetenzorientierten Lehrplanmodell (Kompetenzmodell), welches österreichweit gemeinsam für die landwirtschaftlichen Fach- und Berufsschulen entwickelt wurde, herausstreichen.

Frau Landesschulinspektorin Schnegg, was davon möchten Sie bewusst weitertragen?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg SCHNEGG: Eine gute agrarische Ausbildung in all unseren Fachrichtungen ist unser Kerngeschäft, das darf auch in Zukunft nicht verloren gehen. Unter LSI Stefan Prantauer sind laufend in die Zukunft gerichtete Weichenstellungen gemacht worden, die heute eine gute Basis für die Weiterarbeit bilden. Eine der großen Stärken der landwirtschaftlichen Fachschulen Tirols ist der Teamgeist , der große Zusammenhalt und die Wertschätzung. Dieses hohe Gut, das heute als einer der "21st Century Skills" als zukunftsweisend angesehen wird, gilt es auch weiterhin zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Welche Neuerung oder welches Projekt hat die landwirtschaftlichen Schulen aus Ihrer Sicht besonders vorangebracht?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg PRANTAUER: Ein Ranking – ja, das ist so eine Sache! Unsere Schulen haben sich immer stetig entwickelt und auf dieser Basis konnte und durfte ich weiterarbeiten. Eine deutliche Stärkung der Schulautonomie ermöglicht die Einbindung von bedarfsorientierten Schwerpunkten ergänzend zu unserer Kernausbildung, z. B. die Kinderbetreuungsassistenz, Pflegeassistenz und vieles mehr. Ein Meilenstein – so denke ich – ist uns als landwirtschaftliches Schulwesen gemeinsam mit dem LFA und dem LFI auch bei der Neukonzeption der Fachschule für Erwachsen gelungen. Dieses Konzept ist zu einem Österreichmodell geworden. Die Fachrichtung ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement wurde an allen Standorten auf die Dreijährigkeit mit der vollen Berufsanerkennung zum Facharbeiter umgestellt. Etabliert werden konnte die neuen Fachrichtung Pferdewirtschaft, zudem wurde innerhalb der Euregio die Zusammenarbeit wesentlich ausgebaut. Hinzu kamen schlussendlich auch Neufassungn und Adaptierungen etlicher gesetzlicher Normen, etwa im Tiroler Landwirtschaftlichen Schulgesetz.

Welchen Schwerpunkt und welche neuen Akzente möchten Sie in Ihrer neuen Funktion setzen?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg SCHNEGG: Der Schwerpunkt liegt für mich in der Ausbildung unsere SchülerInnen und Schüler, die sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, gebündelt mit einer gesunden Portion Hausverstand orientieren muss. Berufe, die mit der Natur und den Menschen arbeiten, werden immer aktuell sein. Themen wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz und deren sinnvolle Nutzung, aber auch die Gesundheit aller am Schulleben beteiligten Personen sind mir wichtig.

Neben strukturellen Reformen: Welche sozialen Themen haben Ihre Arbeit in den letzten Jahren besonders geprägt?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg PRANTAUER: Nach der Pandemiezeit war und ist es eine ganz große Herausforderung, die psychische Gesundheit unserer jungen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Als sozial engagierter Mensch war es mir immer ein Bedürfnis, Menschen mit besonderen Bedürfnissen Hilfestellungen an unseren Schulen zu geben und ihnen eine Ausbildungsmöglichkeit zu bieten. Es sind ganz besondere Glücksmomente, wenn ich das ein oder andere Mal diesen jungen Menschen zu ihrem erfolgreichen Abschluss gratulieren konnte. Natürlich, um diese Zielsetzungen erfolgreich umsetzten zu können, bedarf es auch einer entsprechenden Infrastruktur, wo uns – Dank der großen Unterstützung des Landes – vieles gelungen ist. Davon kann man sich ja persönlich ein Bild an unseren Schulen machen.

Zur Person: Stefan Prantauer

Dr. DI Stefan Prantauer übte die Funktion des Landesschulinspektors für das landwirtschaftliche Schulwesen im Amt der Tiroler Landesregierung von September 2002 bis 31. Jänner 2026 aus. Zusätzlich war er seit 2004 bis zu seiner Pensionierung als stellvertretender Leiter für die Landesabteilung Landwirtschaftliches Schulwesen und Landwirtschaftsrecht zuständig. Zuvor war er unter anderem als stellvertretende Schulleitung und Lehrkraft an der LLA Imst tätig.

Stefan Prantauer aus Pians-Quadratsch ist leidenschaftlicher Bauer und war knapp 20 Jahre in der Gemeindepolitik tätig, zusätzlich ist er Obmann der Musikkapelle Pians und Mitglied weiterer Vereine.

Was müssen landwirtschaftliche Schulen künftig leisten, um für junge Menschen attraktiv zu bleiben?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg PRANTAUER: Neben der stetigen Weiterentwicklung unserer Handlungskompetenzen wird es erforderlich sein, den Themenbereichen KI, Klima, Umweltschutz, soziale Verantwortung mehr Raum zu geben. Eine noch stärkere Vernetzung der einzelnen Fachrichtungen an den jeweiligen Standorten birgt ein großes Potential in sich. Gemeint ist damit unter anderem, dass SchülerInnen der einen Fachrichtung bestimmte Ausbildungsschwerpunkte der anderen absolvieren können sollten usw. Da eine sehr wichtige Säule das Leben in der Gemeinschaft im Schülerwohnheim darstellt, gilt es auch hier an allen Standorten gleichermaßen eine zeitgemäße und bedürfnisgerechte Infrastruktur zu schaffen. Aber das zentrale ist, dass wir weiterhin gute und sehr engagierte Lehrpersonen und MitarbeiterInnen an unseren Schulen haben und die Zusammenarbeit mit unseren Institutionen und Kooperationspartnern weiterhin hoch halten und ausbauen.

Frau Landesschulinspektorin, wie wollen Sie dazu beitragen, dass das gelingt?

Stefan Prantauer und Maria-Luise Schnegg SCHNEGG: Mit bereits bestehenden Instrumenten zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung haben wir ein gutes Werkzeug, um zu überprüfen, wo wir aktuell gerade stehen und wo es Entwicklungspotenzial gibt. Durch die kleine und effiziente Verwaltungsstruktur, die in den vergangenen Jahren geschaffen wurde, können wir auf Landesebne als „Servicestelle“ für unsere Schulen agieren, damit die Lehrkräfte und Mitarbeiter vor Ort gut arbeiten können. In der guten Vernetzung von Stakeholdern, Institutionen und verschiedenen Einrichtungen sehe ich großes Kapital um die erwähnten Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können, denn keiner weiß so viel wie alle.

Zur Person: Maria-Luise Schnegg

Dipl.-Päd.in Maria-Luise Schnegg, BEd, ist seit 1. Februar 2026 Landesschulinspektorin für das ländliche Schulwesen. Nach ihrer agrarischen Ausbildung an der HBLFA Kematen und dem Studium der Ernährungspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol arbeitete sie bei Urlaub am Bauernhof. Anschließend war sie als Lehrkraft an der LLA Rotholz und der LLA Imst beschäftigt. Seit 2018 übt sie die Tätigkeit der Fachinspektorin bzw. Schulqualitätsmanagerin für die LLAs in Tirol aus.