Ölraps und Ölpumpanlage

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Flexibilität ist gefragt

Die Entwicklung an den europäischen Agrarmärkten bleibt zum Ende des Jahres dynamisch und wird von einer Mischung aus stabilisierenden und belastenden Faktoren geprägt.

An der Matif bewegen sich Rapssaat-Futures weiter in einer engen Spanne. Der Februar-2026-Kontrakt notierte Ende November bei rund 484 Euro/Tonne (€/t), der Mai- 2026-Kontrakt lag knapp darunter. Zwischen Ende Oktober und Ende November pendelten die Kurse zwischen etwa 474 und 484 €/t. Insgesamt bleibt der Preisdruck bestehen, weil Angebot und Lagerbestände reichlich sind und die Importnachfrage der EU gering bleibt.

Die EU-Kommission rechnet für die Saison 2025/26 mit einer deutlichen Erholung der Rapserzeugung. Eine Ausdehnung der Anbaufläche auf gut sechs Millionen (Mio.) Hektar (ha)und ein Zuwachs des durchschnittlichen Ertrags sollen die Ernte auf rund 19 bis 20 Mio. t heben – nach einem witterungsbedingt schwächeren Vorjahr. Diese komfortable Versorgungslage dämpft in Verbindung mit schwacher Nachfrage aus der Biodiesel- und Futterindustrie die Preisfantasie.

Die Aussaatbedingungen im Herbst waren in weiten Teilen Europas günstig. Auch global trübt ein reichliches Angebot die Preisentwicklung.

Weizen unter Preisdruck

Die Weizen-Terminkurse an der Pariser Euronext standen im November unter Druck. Der Dezember-2025-Kontrakt sank Ende November auf rund 189 €/t und damit um rund 6 €/t gegenüber den Niveaus Anfang November; auch die weiterliegenden Termine (März 2026 bei gut 190 €/t, Mai 2026 knapp 194 €/t, September 2026 rund 200 €/t) legten eine schwächere Tendenz an den Tag. Hohe globale Bestände und eine verbesserte Versorgung in wichtigen Exportländern verhinderten eine nachhaltige Erholung, obwohl witterungsbedingte Risiken für die Herbstbestände vereinzelt für Auftrieb sorgten.

Im EU-Binnenmarkt zeichnet sich für 2025/26 eine deutliche Produktionsverbesserung ab. Nach einem schwächeren Vorjahr wird Weichweizen wieder stärker angebaut. Der Usda-Versorgungsbericht beziffert die Weizenproduktion der EU für 2025/26 auf etwa 142,30 Mio. t bei Anfangsbeständen von gut 12 Mio. t und Exporten von rund 33 Mio. t; die Endbestände sollen bei etwa 13 Mio. t liegen.

Die Aussaatbedingungen für Winterweizen in Europa waren überwiegend gut. Weltweit rechnet das Usda mit einer Ausweitung des Angebots. Diese komfortable globale Versorgungslage drückt die Preise.

Mais: Preis-Stagnation

Die Maiskurse an der Pariser Euronext zeigten im November kaum Bewegung. Der Fronttermin März 2026 notierte Ende November bei 189 €/t; die folgenden Termine Juni 2026, August 2026 und November 2026 lagen bei rund 191,5 €/t, 196,5 €/t bzw. 198 €/t. In den letzten vier Wochen bewegte sich der vorderste Kontrakt zwischen etwa 184 und 192 €/t – ein seitwärts gerichteter Markt.

Auf der Angebotsseite rechnet die EU für 2025 mit einer etwas kleineren Maisfläche. Laut den Daten des EU-Statistikdienstes wird in der EU-27 auf rund 8,36 Mio. ha Körnermais angebaut, der Ertrag wird mit 6,82 t/ha prognostiziert. Bei normalem Witterungsverlauf ergibt dies eine Produktion von gut 57 Mio. t, womit die EU weiterhin zu den weltweit wichtigsten Anbietern zählt. Die Erntemenge reicht jedoch nicht aus, um den inländischen Bedarf zu decken, sodass die Union voraussichtlich über 20 Mio. t Mais importieren muss.

Der Usda-Wasde-Bericht von November prognostiziert weltweit eine steigende Maisproduktion, während die Aussaat- und Wachstumsbedingungen in Europa Licht und Schatten zeigen.

Fazit

Während sich bei Raps eine überwiegend robuste Versorgungslage mit regionalen witterungsbedingten Herausforderungen abzeichnet, sorgt die globale Angebotsausweitung für anhaltenden Preisdruck. Der Weizenmarkt zeigt ein ähnliches Bild: Die solide Versorgungslage in der EU dämpft die Preisfantasie, gleichzeitig bleibt die Aufmerksamkeit hoch, da witterungsbedingte Verzögerungen in Südosteuropa noch zu strukturellen Risiken führen könnten. Im Maismarkt treffen verbesserte EU-Ernteerwartungen auf weiterhin schwankende globale Nachfrageimpulse. Besonders die Entwicklungen in den Exportmärkten haben das Potenzial, kurzfristig Richtungswechsel auszulösen. Die Marktteilnehmer reagieren derzeit sensibel auf jede Anpassung der internationalen Nachfrage, da die globalen Endbestände trotz leichter Abnahmen weiterhin komfortabel bleiben.

Insgesamt überwiegt in allen drei Kulturen ein Umfeld, das keine akuten Engpässe erwarten lässt, aber von variablen Witterungsbedingungen und geopolitischen Spannungen beeinflusst ist. Die kommenden Wochen — insbesondere die Entwicklung der Winterhärte, das Niederschlagsniveau bis Jahreswechsel sowie erste konkrete Hinweise auf die südamerikanische Ernte — werden entscheidend dafür sein, ob sich die jüngsten Preisbewegungen verfestigen oder erneut korrigieren. Für die Marktakteure bleibt damit Flexibilität und Aufmerksamkeit erforderlich, um Chancen rechtzeitig zu nutzen und Risiken effektiv abzusichern.